?Gott vermaledeit nochmal, Ruby, h?r endlich auf damit.“ Lodan st?hnte auf, als er sein Buch... das er bis eben noch versucht hatte zu lesen... zuklappte und laut auf den Tisch fallen lie?… dieses Buch endlich in den H?nden zu halten und es aufklappen zu dürfen, darauf hatte er gewartet. Bevor er mit der schweren Lektüre ‘Alles über Machtkünste‘ fertig geworden war, h?tte Lodan niemals gedacht, dass sich dieses Thema über mehr als fünfzig Bücher erstrecken würde, und er musste auch zugeben, es war schon recht interessant und lehrreich gewesen, aber vieles hatte er bereits gewusst. Doch jetzt war es etwas anderes… jetzt kam ein noch interessanteres Thema, worin er sich wirklich einarbeiten wollte… die Lektüre in ‘Schlachtpl?ne und deren Hinterlist‘. Schon viel hatte er darüber geh?rt, dass sie sich über zehn dicke Exemplare ausweitete, und jetzt hatte Lodan sie für sich besorgen lassen. Es war zwar ein kleines Verm?gen dafür draufgegangen, aber es lohnte sich, und sie hatten eine ordentliche Dicke an Seiten.
Taran und er hatten sich die gro?e Bibliothek im Schloss eingenommen und führten sie jetzt… sie hielten alles in Stand und vergr??erten sie nur noch. In diesem Raum standen an die zehntausend Bücher, und alle hatten er und sein Zwillingsbruder Taran gelesen… was schon einiges hie? in ihren hundertneunundachtzig Jahren. Ihr Leben bestand nur aus lesen und lernen... mehr nicht.
?Ignoriere sie doch einfach, Bruder.“ Taran gab es von sich, w?hrend er in einer Ecke sa?, immer noch vertieft in den Geschichten früherer K?nige der Drachen, die er schon l?ngst durch hatte.
Nur war es nicht gerade einfach, seine Schwester Ruby zu ignorieren, die ein besonderes Talent darin pflegte, nervig zu sein… vor allem, wenn jemand in wichtigen Sachen sehr besch?ftigt war. Normalerweise müsste er sich daran gew?hnt haben, aber das konnte man einfach nicht. Niemand konnte das. ?Kannst du nicht einfach gehen und anderen auf die Nerven gehen? Ysera vielleicht?“ Er versuchte sie abzuschieben, aber sie machte absolut keine Anstalten. ?Also, was willst du wirklich, Ruby?“ Lodan seufzte, legte sein Buch auf den Tisch vor ihm ab, fuhr entrüstet durch sein kurzes hellblaues Haar und verdrehte entnervt seine saphirblauen Augen.
?Nun kr?nkt ihr mich wirklich… dabei habe ich euch diese wundervollen Geschenke mitgebracht“, beschwerte sich Ruby und seufzte theatralisch, w?hrend sie auf die Bücher vor ihnen deutete, die Lodan sehr interessierten. Sie schien wie immer theatralisch zu sein… ihre Schwester konnte so gut schauspielern. ?Ich will doch nur etwas Zeit mit meinen Lieblingszwillingsbrüdern verbringen, bevor ich wieder ganz wichtig besch?ftigt bin. Das ist sehr anstrengend.“
Was vermutlich hie?, wie einfach durch die Welt zu trekken, alles aufzumischen und einfach nur ihre Sch?nheit zur Schau zu stellen… was sie ja besonders gut konnte. Klar war es schon… sie war eine wundersch?ne Frau, und viele, sehr viele m?nnliche Wesen lagen ihr zu Fü?en. Ruby machte es keinen Deut aus, sich mit ihnen einzulassen. Kein Wunder, dass sie oft als k?nigliche Schlampe bezeichnet wurde… nicht gerade hilfreich, wenn es um das K?nigshaus der Drachen ging. Sie war eine Prinzessin und versaute ihren Ruf und den des ganzen Hauses De la Cruise. Manchmal war es vollkommen hoffnungslos.
Seine Schwester war selten zu Hause, und wenn sie da war, dann war sie wie eine Zecke, die sich ganz sch?n festbiss. ?Ja, sehr vorstellbar, wie hart du es doch hast.“
?H?re ich da etwa gerade Sarkasmus in deiner Stimme, Brüderchen?“, brummte Ruby vor Emp?rung und etwas blitzte gef?hrlich in ihren feuerroten Augen auf. Die gleichen, die sein gro?er Bruder und Drachenk?nig besa?, wenn er im ruhigen Modus befand. Was sie nicht sagte. ?Na ja, egal. Es sei dir verziehen. Mir ist einfach langweilig, und da wollte ich mich mal mit euch unterhalten. Lenkt mich ab, bis unser k?niglicher Bruder wieder auftaucht. Ich meine, ich kann mir denken, was er gerade tut.“ Ruby kicherte leise. ?Wenn ich ein Mann w?re, würde ich diese Elfe auch nicht von der Bettkante schubsen. Ein hübsches kleines Ding, aber ich bin noch hübscher.“ Keiner konnte noch gr??er in sich selbst verliebt sein als Ruby selbst… einfach unfassbar, und sie war eine seiner vielen Schwestern. Noch unfassbarer. ?Kommt schon. Was gibt es Neues? Was ist passiert, seit ich nicht mehr zu Hause war?“, dr?ngte sie.
Niemals würde sie nachgeben, er wusste es… sowie sein Bruder. ?Warum fragst du nicht Lucien, wenn er wieder da ist? Wird sicher nicht mehr lange dauern.“ Taran antwortete, der nun auch sein Buch zur Seite gelegt hatte. ?Wenn du ?fters hier w?rst, würdest du nicht nachfragen müssen. Helfe dir selbst, denn ich habe keine Zeit dafür.“ Taran sprach monoton und stand auf. ?Ich gehe, wenn du nicht gehst.“ Er schnappte sich sein Buch und wollte sofort den Raum verlassen. Klasse, sein Zwillingsbruder tat genau das Richtige.
?Nun geh doch nicht gleich, Taran“, jammerte Ruby, als würde sie wirklich von der Ignoranz ihres Bruders getroffen sein.
?Tue, was du nicht lassen kannst“, warf Taran aus, ohne sich umzudrehen, w?hrend er durch die gro?e ge?ffnete Tür verschwand.
?Heute ist er aber eine Miesmuschel“, klagte seine Schwester verstimmt und verzog doch tats?chlich ihr Gesicht missf?llig.
?Ruby, Taran ist immer so. Ob du es glaubst oder nicht“, erwiderte Lodan die Worte von ihr, ohne dabei feinfühlig zu sein. Lodan packte nebenbei ein paar Bücher ins Regal, die er noch immer neben sich liegen hatte, aber nicht mehr ben?tigte. ?Du hast keine Ahnung mehr über die Lage hier im Schloss. Taran hat Recht, du solltest Lucien selbst fragen. Sofern er dir das verr?t.“ Lodan murmelte die letzten Worte.
?Das habe ich geh?rt“, beklagte sich Ruby bei ihm, aber er ignorierte sie schon beil?ufig.
Vielleicht sollte sie auch seine Worte vernehmen… war ihm ohnehin egal. ?Bist du jetzt fertig? Ich habe noch wichtigere Dinge zu tun, als dir zuzuh?ren.“
?Ihr seid ja alle so gemein zu eurer Lieblingsschwester“, schnaufte Ruby emp?rt. Sie war schon wieder zu theatralisch. Doch Lodan ging einfach, ohne noch ein Wort an sie zu richten oder sie auch nur anzuschauen.
Ruby
So blieb Ruby alleine in der Bibliothek zurück… und die hatten ja alle keine Ahnung. Sie sollten froh sein, dass sie jetzt hier war, aber keiner schien ihre Anwesenheit zu sch?tzen. Wie undankbar sie doch alle waren.
Seufzend stand Ruby auf und verlie? genauso die Bibliothek wie seine Brüder zuvor… dann sollte sie wohl eine Runde gehen und mal sehen, wer ihr alles über den Weg lief. Es dauerte auch nicht lange, bis sie Lyndiana entdeckte… die Schwester ihrer Mutter. ?Tante Lyndiana, du bist noch immer so hübsch wie immer“, verlie? ein Kompliment ihre zarten r?tlichen Lippen und sie spitzte sie einmal. Sie umarmte ihre Tante herzlich, als sie bei ihr angekommen war, und drückte sie fest an sich.
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?Sch?n dich zu sehen, meine Liebe. Auch du siehst sehr bezaubernd aus“, schmeichelten die Worte ihrer Tante sie, worauf sich ein zartes L?cheln umspielte.
Lyndiana sah wie ihre Mutter aus… leicht gebr?unte Haut, elegante Gesichtszüge, lavendelfarbene Augen, dunkelblaues langes Haar, aber kr?ftiger gebaut. Ruby hingegen war etwas zierlicher, mit zarter heller Haut und r?tlichem Haar… keiner besa? rote Haare in ihrer Familie. Aber viele sagten ihr, sie komme nach ihrer Gro?mutter Araveena… der Mutter von ihrer Mutter und Tante Lyndiana. Wenn Jade vom Aussehen nach ihr kam, musste sie eine bildhübsche Frau gewesen sein, was sie ziemlich stolz machte. Wie schade, sie h?tte sie gerne einmal kennengelernt. Nun, egal… Ruby war jedenfalls auch froh, dass sie nicht nach ihrer Mutter kam, denn so perfekt kamen sie nicht miteinander aus, aber sie hatte sie trotzdem in ihrem Herzen bewahrt und auf eine gewisse Art und Weise geliebt. Auch ihr Verlust hatte sie zutiefst getroffen, egal wie ihre Beziehung zueinander gewesen war. Doch ihre feurige Augenfarbe hatte sie eher von ihrem Gro?vater Bortak… dem Vater von ihrem Vater Raziz.
?Was führt dich zu uns ins Schloss?“, fragte Ruby umschmeichelnd h?flich und schenkte ihr ebenfalls ein bezauberndes L?cheln.
?Dein Bruder hatte uns zu einer Ratssitzung berufen“, erz?hlte Lyndiana und es war auch kein Geheimnis. Nicht sonderlich, aber…
Eine private Ratssitzung? Na, das war ja interessant. Ruby wusste, es w?re jetzt nicht ratsam, danach zu fragen, denn kein Mitglied durfte etwas vom Inhalt des Treffens verraten, solange keiner die Erlaubnis vom K?nig bekam. Jetzt wusste sie wenigstens schon etwas mehr als zuvor. ?Was macht die Grenze in Lacrier? Gibt es dort was Neues?“, lenkte sie vom Thema ab, als kümmerten sie nicht diese Sitzung unter ihnen. Als würde sie sich darüber langweilen.
?Komm doch einmal in Lacrier vorbei und überzeuge dich selbst davon.“ Ihre Tante l?chelte… ein warmes, wissendes L?cheln, das Ruby sofort an ihre Mutter erinnerte.
?Vielleicht werde ich das mal tun“, summte sie ihr zustimmend zu und lie? kurz ihre Drachin pr?sent sein. Ruby l?chelte zurück und spürte bereits die Vorfreude in sich aufsteigen. ?Erz?hl doch, mein liebes Tantchen, woher bekommst du nur immer diese sch?nsten Kleider? Ich beneide dich immer, wenn wir uns sehen.“
Ihre Tante lachte warm und herzlich. ?Wie immer ein gutes Auge dafür. Statte doch einmal einen Besuch in Serasus ab… dort gibt es die feinsten und edelsten Stoffe, von denen du nur tr?umst.“
Serasus war eine gro?e Handelsstadt, wo man alles bekam, und wenn Ruby ihre Tante jetzt so sah, würde sie das wirklich einmal tun. ?Werde ich. Werde ich.“
?Du hast dich wahrhaftig nicht ver?ndert. Noch immer meine Lieblingsnichte“, umschmeichelte Lyndiana sie und drückte beherzt ihre H?nde, und eine gewisse W?rme übertrug sich auf sie.
?Wirklich?“ Berührt legte Ruby eine Hand auf ihr Herz. ?Und du meine Lieblingstante“, seufzte sie beherzt auf und küsste ihre Tante auf die Wange. ?Ich würde mich sp?ter gerne noch einmal mit dir unterhalten. Leider muss ich jetzt meinen k?niglichen verschollenen Bruder suchen gehen.“
?Lucien wird vermutlich mit der Frau zusammen sein, die ihm ganz sch?n den Kopf verdreht hat“, scherzte ihre Tante und etwas Unbekanntes blitzte in diesen lavendelfarbenen Augen auf.
?Oh ja, das hat die kleine Elfe eindeutig. Da ist auch noch viel mehr“, bekr?ftigte Ruby die Worte ihrer Tante, als steckte darin ein riesiger Funke Wahrheit.
Die violetten Augen ihrer Tante blitzten wissend auf. ?Wenn Lucien sie als seine Seelengef?hrtin vorstellt, steckt viel mehr dahinter“, meinte Lyndiana seufzend, als müsste sie über diese Information ebenfalls noch nachdenken.
Dies verblüffte Ruby jetzt wirklich. Seelengef?hrtin? Lucien? Im Gegensatz zum letzten Mal hatte sich etwas Entscheidendes ver?ndert. Sie wusste, Emmanline war etwas anders und ihr Bruder hatte ein Auge auf sie geworfen, aber eher um sie ins Bett zu bekommen, wie er es mit jeder Frau tat, die ihm und seinen Drachen gefiel. Scheint wohl, Ruby hatte sich geirrt… vermutlich war sie nicht die Einzige. Nun gut, solange es ihren Bruder glücklich machte. Verdient hatte Lucien es. ?Was für eine überraschung.“
?Nicht nur für dich, meine Liebe. Uns allen im Rat erging es nicht anders. Ich habe nichts gegen ihre Verbindung, trotz der Vorgeschichte von dieser Elfe. Aber es denkt nicht jeder wie dein Onkel Darius, Saphira und meiner Wenigkeit. Wer wei?, was noch passiert“, schnaufte Lyndiana wegen der negativen Belange der anderen Ratsmitglieder, als w?ren sie alle verbohrt.
Oh, das würde sehr interessant werden, und Ruby konnte es kaum abwarten, wie sich alles entwickelte. Scheint so, als würden einige Ver?nderungen auf sie zukommen. Sie war begeistert. Kurz unterhielten sie sich noch, bevor sich wieder ihre Wege trennten.
Was würde sie noch alles herausfinden?
Lya
?Warum reagierst du auch immer auf die Sticheleien von Ruby? Du wei?t doch, wie sie ist. Jedes Mal, wenn du dich aufregst, genie?t sie es… so war sie schon immer, als sie geschlüpft war“, meinte Lya mit sanfter, aber bestimmter Stimme, w?hrend sie ihre Schwester ansah, die ihr gegenüber am Tisch im gro?en Speisesaal sa?.
?Genau das ist es ja… sie wurde geboren, um mir das Leben zur H?lle zu machen. Ich h?tte sie bei ihrer Geburt schon von irgendeiner Klippe fallen lassen oder in einem der Flüsse ertr?nken sollen. Dann w?re sie nicht solch ein Plagegeist“, beschwerte sich Ysera klagend. Sie knurrte wütend, ihre Worte scharf und voller unterdrückter Frustration. Ysera und Ruby waren wie Katz und Maus… die Maus brachte die Katze zur Wei?glut, indem sie ihre Spielchen mit ihr trieb, ohne je eine Sekunde zu z?gern oder Reue zu zeigen.
?Vater hat dich damals ganz sch?n zusammengestaucht, als du das vorhattest. Kaum hast du es versucht, hat sie dich beim ersten Blick in deine Drachenschnauze gebissen“, tadelte Lya, weil sie solche Worte nicht von ihren Geschwistern h?ren wollte. Sie alle sollten glücklich darüber sein, dass sie einander hatten und stets Rückhalt bekamen. Von jedem Mitglied ihrer Familie.
?Grund genug, es zu tun. Jetzt muss ich sie wohl im Schlaf erdrosseln, wenn ich sie auch nur noch l?nger ertragen muss“, fauchte Ysera, als rechtfertigte sie ihre Taten und g?be ihr jegliches Recht.
Jetzt knurrte Lya… tief und warnend. Ihre azurblauen Augen funkelten bedrohlich ernst. ?Schluss damit. So was will ich nicht h?ren. Aus keinem eurer Münder.“
?Ist ja gut“, beschwichtigte ihre ?ltere Schwester Lya sofort und erhob abwehrend ihre starken H?nde, die Spuren vom harten Training trugen.
Lya und Ysera sa?en in der gro?en Halle am Tisch und hatten eben gerade etwas gespeist… am Anfang war sie mit ihrer kleinen Tochter Shay dabei gewesen, bevor sie ihr kleines M?dchen weggeschickt hatte, weil sie genau wusste, zu welchem Gespr?ch es sich entwickeln würde. Sie musste es tun, sonst würde ihre Kleine nur zu früh unn?tige Dinge lernen, bevor Ysera überhaupt anfangen konnte zu sprechen. ?Du musst es wirklich lernen, Schwester.“
?Eines Tages wird es soweit sein, bis ich meine Drohungen wahr mache.“ Ysera drohte leise, aber mit einer Ernsthaftigkeit, die Lya einen Schauer über den Rücken jagte.
Langsam war Lya es wirklich leid, sich überhaupt die Mühe zu machen, sich einzumischen… das war schon vor eingestellt, wenn sie aufeinandertrafen. Doch vor allem sollte man die beiden sehen, wenn ein gro?es Familientreffen stattfand. Die sorgten auf jeden Fall für Aufmerksamkeit… und manchmal auch für Belustigungen.
Das Lied am Ende war vollkommen hoffnungslos.

