Sein Weg führte ihn fort über Berg und Tal, vorbei an blattlosen B?umen und ?den Feldern. Schnee lag keiner, bereits die ganze Reise über nicht. In Kosen hatte er sogar den einen oder anderen bezüglich eines Boten des Reiches befragt, was ihm allerdings wenig weiterhalf. Laut einem W?rter am Westtor war ein verhüllter Reitersmann, der sich mit imperialen Dokumenten von h?chstem Rang auswies, im zutreffenden Zeitraum hier in Richtung Westen durchgekommen. Somit schlussfolgerte Ludo, leider Gottes, dass er wohl noch weiter gehen musste, um den Gegenstand seines Begehrs aufzuspüren. Das war nun schon mehrere Wochen her! Eigentlich h?tte der Thronfolger einfach neue bewaffnete Begleiter beim Stadtherren Kosens anfordern sollen, doch als einstiger Vagabund kam der Mann noch nicht einmal auf den Gedanken dies zu tun. In Meglarsbruck war er immer sicher und wohl behalten gewesen und besagte Stadt hatte er seit seiner Adoption durch den Kaiser kaum mehr verlassen.
Jetzt aber war alles anders, und Ludovic fiel unversehens in seine alten Gewohnheiten zurück, schaltete gedanklich auf ?überlebensmodus“, selbst wenn dies gar nicht so notwendig gewesen w?re. Und das bedeutete, dass er auf eigene Faust weiterzog. Mit einem herk?mmlichen, dunkelbraunen Mantel übergeworfen, streifte er nun umher, um nicht aufzufallen. Seine Schuhe waren ohnehin schon verschlissen. Nun kam er an diesem linden Morgen eine unebene Stra?e mit vielen gro?en Schlagl?chern, welche man nur halbherzig mit einigen gr??eren Steinen aufgefüllt hatte, entlang. Schlie?lich betrat er eine kleine Ortschaft, in die diese ihn führte. So als ob sie auf den Winter, der eigentlich schon l?ngst eingezogen sein musste, warteten, sa?en die Raben auf den D?chern. Deren neugierige Blicke folgten Ludo, w?hrend er ein Geh?ft und ein paar einfache Behausungen passierte. Der typische Geruch von Mist stieg ihm in die Nase. Auf der linken Stra?enseite sah er eine bucklige Gro?mutter daherschleichen. Alles ganz normal für ein Bauernkaff wie dieses.
All die St?dtchen und D?rfer, die er in den letzten Wochen durchquert hatte, hatten ihm ein ?hnliches Bild wie hier pr?sentiert. Armut und Mühsal waren immer noch Teil des Alltags in ganz Ordanien. Die Gesellschaft war zwar nicht ?rmer geworden, stagnierte jedoch, weil der Heilige Krieg viele f?hige, kluge M?nner entweder ausgemerzt hatte oder diese zum Schweigen gebracht hatte. Das Goldene Zeitalter, von dem sein Herr Vater getr?umt hatte, war nicht zu dessen Lebzeiten erstanden. ?Nun, da der Heilige Krieg endgültig geschlagen ist, wird der Aufschwung und die Heilung der Nation aber wahrhaftig beginnen“, meinte Ludo. Er war sich sicher, dass dies stimmte. Zum jetzigen Zeitpunkt war er schon sehr weit westw?rts gekommen, wie weit genau konnte er gar nicht sagen. Eigentlich wollte er den Dorf?ltesten aufsuchen, um bezüglich dessen, wonach er nun immer fragte, kundig zu werden. Als Ludo aber den Hauptplatz in der Mitte des Ortes betrat, sah er ein paar alte Frauen am Dorfbrunnen stehen. Hemmungslos und derart lauthalsig, dass man sie von Weitem schon h?ren konnte, unterhielten sich die Tratschtanten über irgendjemanden, den der Fremde natürlich nicht kannte.
Da kam Ludo eine Idee. ?Ha! Warum frag ich nicht einfach die schw?tzenden Weiber hier? Die wissen sicher über alles, was in diesem D?rfchen vor sich geht, bescheid.“ Und somit steuerte er gleich schnurstracks auf diese zu. ?Guten Tag, werte Damen! Es mag vielleicht ein wenig zu direkt sein, aber habt ihr mitbekommen, dass ein mysteri?ser Reiter hier vor so zwei, drei Monaten durchgekommen ist? In einem Nachbarsort hat man mir erz?hlt, dass man einen Solchen in diese Richtung hier galoppieren hat sehen.“ Die letzte Behauptung hatte sich der Gro?wüchsige nur ausgedacht. Jedoch bekam er nun endlich, nach all dem langen Nach-Strohalmen-Greifen, eine Information, mit der er etwas anfangen konnte. ?Hehehe!“, gackerte eine der mittelalten Damen daraufhin. ?Der Hjalmar, unser Pfaffe. Dem wurde vor einiger Zeit etwas von einem Reiter in finstrer Nacht überbracht! Die Nichte meiner Freundin hat mir erz?hlt, dass sie damals, als sie sp?t nachts durch reinen Zufall noch vor die Türe ging, einen vermummten Kerl zu Hjalmars Haus reiten hat sehen, wo er ihm nach einer l?ngeren Unterhaltung etwas überreicht haben soll, und sich dann wieder aus dem Staub gemacht hat“, erz?hlte sie ihm dann.
Die anderen Frauen, die anwesend waren, widersprachen ihr nicht, als Ludo einen prüfenden Blick zu diesen hinüberwarf. Jedoch machte eine, die dem Anschein nach ungef?hr dasselbe Alter wie die vorige hatte, einen Einwurf: ?Sein Z?libat hat bei dem Kerl aber offenbar einen Frust entstehen lassen, den er dann wieder andere spüren l?sst! Ich habe mir sagen lassen, dass er bei seinen Freunden geprahlt hat, ein verzaubertes Objekt bekommen zu haben, und er soll sogar einer Bauernfamilie gedroht haben, dass, wenn sie ihr Zehent nicht rechtzeitig zahlen, er ihr Vieh verfluchen würde, auf dass dessen Fleisch verdorben schmecke und die Milch die, die Kühe geben, schon ranzig aus dem Euter k?me.“ Der Fremdling gab sich davon unbeeindruckt. ?Na, dann werde ich das mal einer Begutachtung unterziehen“, erwiderte er ihr dann. ?Wo ist dieser Herr denn zu finden, wenn ich fragen darf?“ Eine andere, blonde Dame von kleiner Statur schaute zu ihm hinauf und entgegnete dem Fragenden: ?Unser Pfaffe wohnt natürlich direkt neben der Kirche. Dort rüber und dann links die Stra?e hinunter, dann siehst du sie eh schon.“ – ?Wohl denn! Vielen Dank, und einen angenehmen Tag wünscht man den hübschen Damen noch!“
Sich auf eine solch übertrieben hochgestochene Weise verabschiedet habend, machte sich Ludo sogleich auf den Weg, so wie er ihm beschrieben worden war. ?Was glaubst du, was der Meglarsbrucker hier sucht?“, quatschte dann eine der Frauen am Brunnen zu der Blondine hinüber. Sofort war ihr dessen Gro?stadtdialekt aufgefallen. Die Adressierte zuckte nur mit den Schultern. Das war allerdings eine Lüge. Sie alle vermuteten irgendeine Verbindung von diesem zur Heiligen Gesandtschaft. Das war immer der Fall, wenn das Wort von Hexerei umging. Warum sollte es also diesmal anders sein? ?Geschieht ihm recht, dem alten Pfaffen! Den Mistkerl kann hier sowieso keiner leiden!“, dachten sie sich, w?hrend sie dem gro?en Mann auf seinem Gang zu diesem hinterherspechtelten.
Wenig sp?ter erreichte Ludo das Haus des Pfarrers. Es war eine recht bescheidene Wohnstatt. Dreimal klopfte er an, dann wartete er. Keiner meldete sich. Mehrere weitere Male versuchte es Ludovic daraufhin. Er ging sogar ums Haus herum und schaute beim Fenster hinein, ob er denn jemanden sehen konnte. Aber es schien wirklich niemand da zu sein. Als n?chstes versuchte er dann sein Glück in der Dorfkirche. Auch hier war keine Menschenseele aufzufinden. ?Hat er sich etwa aus dem Staub gemacht? Nein, das gibt’s nicht! Es ist v?llig unm?glich, dass er schon von mir geh?rt haben k?nnte“, ging es Ludovic da durch die Gedanken. Der Mann entschied sich, es sp?ter nochmal zu probieren, und ging einstweilen im einzigen Gasthof, den es in diesem Kaff gab, sein Mittagessen zu sich nehmen. Es war ein einfacher Eintopf, in dem alles, was sich so an Zutaten zu dieser Jahreszeit finden lie?, verkocht war. Das st?rte den Hier-Nichtans?ssigen keineswegs. Er hatte schon weitaus dürftigere Malzeiten in seinem Leben zu sich genommen. Eigentlich war diese hier ungew?hnlich reich gewürzt, eine Seltenheit in solch l?ndlichen Kleinsiedlungen.
Bei der Gelegenheit unterhielt er sich noch mit dem Wirt über den Mann namens Hjalmar. Was aus dem Gespr?ch für ihn hervorging, war, dass der Typ sich anscheinend recht unbeliebt in diesem D?rfchen gemacht hatte. Der Thronfolger lie? sich dadurch in seiner Meinung jedoch nur wenig beeinflussen. Er würde versuchen dem Kerl m?glichst unvoreingenommen zu begegnen. Etwas sp?ter spazierte er dann wieder zum H?uschen des Dorfpfarrers hinüber. Nun hatte er Glück, und der Bewohner des bescheidenen Heims machte ihm endlich die Türe auf. ?Ja?“, kam der kurze und bündige Gru?, der zugleich als Anfrage fungierte. ?Hallo! Ich gehe davon aus, dass ich hier mit Herrn Hjalmar spreche, oder?“ – ?Der bin ich. Und? Was willst du?“, gab der Mann mit Halbglatze da unfreundlich zurück. Ludo lie? sich davon nicht beirren und brachte sein Anliegen sofort zur Sprache: ?Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie etwas Verhextes besitzen, etwas das Ihnen gar nicht zustünde. Deswegen bin ich hier.“ Der Mann wirkte vor den Kopf gesto?en. Einen Moment betrachtete er den Besucher an seiner Tür, welcher wie ein armer Landstreicher angezogen war.
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Schlie?lich gab er aber Folgendes zur Antwort: ?Bist wohl von der Inquisition, ha?“ Ludo schüttelte rasch den Kopf und ignorierte den Fakt, dass der Glaubensmann den alten Begriff für die Heilige Gesandtschaft gebraucht hatte. Im Volksmund war der ursprüngliche Begriff sowieso weiterhin in Verwendung geblieben. Hjalmar kaufte ihm das nicht ab, und war nach wie vor fester überzeugung, dass der Typ vor ihm ein Beauftragter dieser vielgefürchteten Organisation war. ?Ich muss dich leider entt?uschen. Der Gegenstand, den du suchst, ist nicht mehr hier.“ Das überraschte den Adoptivsohn Melgars nun doch. Erpicht erwiderte er: ?Was? Wie denn das?“ – Gestohlen. Eines Nachts ist wer bei mir eingebrochen und hat es sich im Schlaf von mir geschnappt.“ Einen Augenblick wollten schon die Pferde mit Ludovic durchgehen, doch dann besann er sich und hinterfragte das Gerade-Behauptete. ?Ich würde mir dennoch gerne selbst ein Bild machen. Dürfte ich hereinkommen, und mir Ihr Heim kurz ansehen?“ Der Pfarrer wagte es nicht ihm den Eintritt zu verweigern. Ohne jegliche überlegzeit, hatte Ludo gleich einen Weg gefunden, sich die Situation zunutze zu machen.
Als er die Wohnung betrat, bemerkte er sofort einen leicht fauligen Geruch, der in der Luft lag. Er war nicht unertr?glich widerlich, aber dennoch deutlich wahrnehmbar. Der Besucher begann, die wenigen, kleinen R?ume zu durchsuchen, die alle ziemlich unordentlich wirkten. Nach den ersten paar Minuten kam ihm dann auch der Gedanke, dass er den Mann selbst durchsuchen sollte. Gesagt getan. Danach fuhr er fort, das ganze Haus zu durchforsten. Er achtete darauf, nichts auszulassen, keine Ecke, keinen m?glichen versteckten Hohlraum unter den Dielen oder irgendeine andere Stelle. Ludo ging sehr gründlich vor. Am Ende stellte sich jedoch heraus, dass die Behauptungen des Pfarrers der Wahrheit entsprachen. Er schien den betreffenden Gegenstand wirklich nicht mehr zu haben. Jedoch w?hrend des recht zeitaufw?ndigen Durchst?berns dieser Hütte unterhielten sich die beiden M?nner ausgiebig. Als er gerade beim Durchwühlen eines Schranks war, fragte Ludovic den Mann: ?Und Sie haben keine Ahnung, wer es gestohlen haben k?nnte?“ Darauf antwortete der Befragte: ?Ich fürchte nein. Die einzige Sache, die in dieser Nacht au?erhalb des Gew?hnlichen war, war die Hahnenfeder, die ich auf meinem Boden gefunden habe.“ Das weckte natürlich das Interesse des ?Detektivs“, und er hakte weiter nach: ?Sind Sie sicher, dass diese Feder nicht von Ihnen selbst stammen k?nnte?“ – ?Ja, ich bin mir zu 100 % sicher! Ich habe nichts dergleichen hier in diesem Haushalt.“ – ?Schon gut, schon gut!“
Viel mehr Relevantes kam w?hrend ihres Gespr?chs nicht mehr zutage. Nach einem vollen Tag erfolgloser Bemühungen verabschiedete sich Ludo h?flich und verlie? ihn wieder. Er verbrachte diese Nacht im Haus des Gastwirts. Das Einzige, worauf er sich nun stützen konnte, war dieser eine klitzekleine Informationsschnipsel. Dennoch hatte er bereits eine Idee, wie es weitergehen würde. Die Vogelfeder war vermutlich an einem Hut befestigt gewesen und war dann unbemerkt heruntergefallen. Es gab viele Menschen, die Federn als schmückendes Beiwerk an ihren Hüten trugen. Allerdings taten dies die meisten Leute sicherlich nicht. Dadurch lie? sich die Zahl der Verd?chtigen eingrenzen.
Deshalb kehrte er am n?chsten Morgen zu den Frauen am Brunnen zurück. Wie erwartet, waren sie mit ihrem üblichen Klatsch und Tratsch besch?ftigt. Er schien diesen Damen hier ein beliebter Zeitvertreib zu sein. Geschwind kam Ludo zu den Besagten heran. Prompt sprach er die Jüngste von ihnen an, diejenige mit blondem Haar, welche heute aufgrund des sonnt?glichen Anlasses ein hübsches rotes Kleid trug. ?Guten Morgen, die Dame!“ – ?Dir auch einen guten Morgen!“, kam es da gleich von ihr zurück. Bevor er aber etwas sagen konnte, wandte sie jedoch gleich ein paar Worte an ihn: ?Es würde mich ja interessieren, wie es gestern mit Hjalmar gelaufen ist. Was ich geh?rt habe, hat er dich bei der Türe reingelassen.“ - ?Welch Neugierdsnasen die doch sind!“, dachte sich der Mann da nur. Dann entgegnete er ihr: ?Ich und der Herr Pfarrer kamen eigentlich ganz gut miteinander aus. Es gibt nichts, worüber du dir hier Sorgen machen müsstest. Vor irgendeiner Hexerei müsst ihr euch beim Hjalmar künftig nicht mehr fürchten!“ – ?Also hast du es ihm abgenommen?“ Auf dies Frage hin kratzte sich der normalerweise grundehrliche Ludo verlegen am Hinterkopf und antwortete: ?K?nnte man so sagen.“
Es war besser, wenn niemand um die Wirren bezüglich des tats?chlichen Aufenthaltsortes des Heiligen Artefaktes Bescheid wusste. Dies würde nur zus?tzliche Komplikationen verursachen. Stattdessen trat er nun mit einem augenscheinlich anderen Anliegen an die Frau heran: ?Ich h?tte da aber eine ganz andere Frage, die nicht im Zusammenhang damit steht. Welche Leute in diesem Dorf kennen Sie, die Hahnenfedern am Hut tragen?“ Diese Frage versetzte die Dame natürlich in Verwirrung, was man ihr auch sofort klar aus dem Gesicht ablesen konnte. Sie stutzte kurz. Dann erwiderte sie ihm: ?Na, das ist ja mal ne seltsam spezifische Anfrage! Ich…..Ich wei? nicht. Ich kenne überhaupt niemanden hier, der eine Hahnenfeder am Hut tr?gt!“ Danach drehte sie sich zu ihrer Freundin um, und sagte: ?Kennst du wen, Romi?“ – ?Nein. Mir f?llt niemand ein“, kam es da zurück. Das entt?uschte den künftigen Thronerben. Wenn diese Frauen es nicht wussten, dann würde es wohl sehr schwer werden die entsprechende Person zu finden. Doch als er sich schon in Gedanken darüber, was er nun als N?chstes tun würde, verlor und sich dabei unwillentlich von den Brunnenweibern wegdrehte, verlautbarte dann die Dritte von ihnen etwas: ?Doch! Ich glaube einen kenne ich. Aber der wohnt nicht hier im Ort. Der Hermann im alten Turm! Der hat einen Hut mit Feder!“
?Stimmt das?“, fragte Melgars Sohn sie voll Aufregung. Die Frau gab ihm nochmals ihre Best?tigung. Die anderen beiden zuckten nur mit den Schultern. Sie waren sich nicht sicher. Das veranlasste Ludo zu fragen: ?Warum die Ungewissheit?“ Diesmal antwortete die Blondine: ?Wir sehen diesen Typen einfach nicht sehr oft, und die wenigen Male, die ich ihn gesehen habe, habe ich einfach nicht auf ein paar Details an seinem Hut geachtet. Ich wei? nicht. Vielleicht hat Erika recht mit ihm. Ich bilde mir ein, dass er etwas auf seinem Hut hatte, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Aber ich wei? es einfach nicht mit Sicherheit. ?Wer ist dieser Typ überhaupt?“, wollte er nun wissen. Die Antwort, die er erhielt, lautete: ?Er ist ein Schuhmacher.“ ?Und ein Einsiedler“, warf Erika ein. Daraufhin entgegnete die blonde Dame: ?Naja, er hat eine Frau. Die beiden verlassen nur nicht so oft ihr Haus.“ – ?Oder vielleicht begeben sie sich nachts hinaus, wenn sie keiner sieht. Der Mann soll sich ja früher mit üblen Zeitgenossen herumgetrieben haben.“ Niemand wollte dem etwas Weiteres hinzufügen. Das Einzige, was Ludo noch fragte, war, wo diese wohnten. Anscheinend lag der Ort etwas au?erhalb des Dorfes auf einem Hügel, der mit einem Mantel dichten Gestrüpps überwuchert war. Somit machte er als n?chstes zu diesem Ort auf. Ein kühler Wind fuhr ihm durch die Gew?nder, als er den staubigen Feldweg entlangschlenderte, der ihn seinem Ziel entgegenführte. Und da sah ihn auch schon.
Oben auf einem Hügel stand ein Turm. Es war ein altes Bauwerk, das man als befestigten Au?enposten hier errichtet hatte, um die Grenze zu den zeem?rkischen Landen zu bewachen. Klar war die Grenze hier eher ein schwammiger Begriff, erstreckte sie sich doch so circa in diesem Gebiet, wobei sie jedoch nicht genau definiert war. Von der Kuppe aus konnte man auch sehen, warum das der Fall war. Es begann sich von hier an n?mlich ein Heidemoor in den Niederungen zu erstrecken, ein Landstrich, den niemand bewohnte, und den zu durchqueren ein gef?hrlicher Aufwand war, welchen man sich, wenn es vermeidbar war, lieber nicht antat. Als er die Steigung erklomm, ersp?hte Ludovic einen uralt aussehenden Turm, der mit einem neuwertigen Holzdach versehen worden war. An der Seite des Geb?udes befanden sich vereinzelte kleine Fenster, welche an Luken erinnerten. Als er sich ann?herte, erkannte er auch einen holzschuppenartigen Anbau, der an den alten Turm anschloss und wahrscheinlich erst kürzlich hinzugefügt worden war. Je n?her er kam, desto mehr wurde ihm bewusst, wie gro? dieses Ding tats?chlich war. ?Ziemlich beeindruckend!“, dachte er.
Unser Mann schritt über den Gartenzaun und ging bis zur Veranda hinauf. Davor war ein Blumenbeet angelegt, das zu dieser Jahreszeit jedoch brachlag. Ein paar Windspiele klimperten in der frischen Brise. Schon von au?en wirkte der Ort heimelig. War Ludovic nun endlich am Ende seiner langen Suche angekommen? Würde dieser geheimnisvolle Schuster nun endlich das haben, wonach es ihm begehrte und weswegen er solche Strapazen auf sich genommen hatte? Würde er ein gef?hrlicher, hinterlistiger, ja, gar b?ser Mensch sein? Die Antwort darauf lag hinter dieser Türe.

