?Als neuer Oberster Reichskammerrichter wird Notger zu Korswant den Durchlauchtesten Grafen zu Niederstett ersetzen. Der künftige Schatzmeister, Karl Gallewitz, soll seinen Vorg?nger mit sofortiger Wirkung von seinem Posten abl?sen. Des Weiteren haben wir noch berufen……“ Amalie las ihre Neuauswahl an Kandidaten für die Ministerposten dem frischgebackenen Reichskanzler vor. Dieser war ein recht unbedeutender Mann mit relativ wenig Einfluss, was der Grund war, warum sie ihn erw?hlt hatte. Der Besprochene gab ihr nur bei allem recht, und setzte schlie?lich, ohne Diskussion, seine Unterschrift unter das ihm-vorgelegte Dokument. Es war eine komplette Umbildung des Kabinetts, ein Schritt, der die Macht des Kaiserhauses absichern sollte, und intrigante Spielchen, die sich vermutlich bereits im Hintergrund zutrugen, zu unterbinden oder zumindest erheblich zu behindern versuchte.
?Hach!“, seufzte Amalie dann, nachdem ihr neuer Regierungschef sich vor ihr verbeugt, und daraufhin seinen Abschied genommen hatte. ?Ich hasse die Politik! Nie wollte ich mir diese kr?ftezehrenden R?nkespiele und Sesselrückereien antun. Oh, Gott, geht mir das alles auf den Zeiger!“, raunzte sie. ?Das geht so nicht. Ich muss meinen Kopf freikriegen. Zeit mal einen kurzen Spaziergang zu machen!“ Somit entschied sie sich, ein wenig die Fü?e zu vertreten. Zwar war sie schon alt, und deutlich gebrechlicher geworden, doch war sie immer noch dazu in der Lage, überall selbst hinzugehen, wenn auch in einem gem?chlicheren Tempo als früher. Alleine bewegte sie sich den Gang entlang die riesigen Stiegenaufg?nge hinunter. Als sie schlie?lich unten bei einem Portal hinausging, spürte sie gleich, so wie sie es vermutet hatte, dass sie keines Mantels bedurfte.
Somit schritt sie in den etwas frischen, aber definitiv nicht kalten Wind hinaus, der sogleich ihr frühlingshaft buntes Kleid umherflattern lie?. Sie durchschritt einen Arkadengang, der einen mit B?umen und Gras bepflanzten Innenhof umringte. Im Vorbeigehen betrachtete sie nun stillschweigend die auffallendste Pflanze hier, welche in Zentrum des Hofes emporragte. Es handelte sich um den letzten alten Baum im Palast, den einzigen der den gro?en Brand vor 30 Jahren überlebt hatte. Er war zu weit von den Mauern des Geb?udes weggewesen, um Feuer fangen zu k?nnen. Sein Anblick schien sie zu beruhigen. Trotz der enormen Trockenheit – seit vielen Wochen hatte es schon keinen einzigen Tropfen mehr geregnet – waren seine Bl?tter immer noch saftig grün. Sie wandelte weiter, wobei ihre Gew?nder ab und an wieder von einer B?e umhergewirbelt wurden. Diese waren nicht in Trauerfarben gehalten. Nur das schwarze Gesteck im Haar der Statthalterin, welches ein wenig an den Trauerschleier, den Witwen herk?mmlicherweise trugen, erinnerte ein wenig an die alten Traditionen. Mehr als ein Akzent war das aber auch nicht. Die Dienerschaft hatte sich mittlerweile angefangen zu fragen, ob dieses Vorgehen als symbolische Ablehnung ihres verstorbenen Ehemannes zu interpretieren sei. So wirklich wusste es keiner, aber es traute sich aus H?flichkeit auch niemand nachzufragen.
Wer jedoch die Wahrheit kannte, der würde sagen: ?Welch Schwachsinn!“ Ihre Majest?t war immer noch zutiefst betroffen vom frühen Tod ihres Gatten. ?Geliebt habe ich ihn so sehr! Es war keine Liebe auf den ersten Blick, hatte sie sich doch eher im Laufe der Zeit aufgebaut. Im Innersten hatte uns etwas Unzertrennliches verbunden, etwas das sich durch nichts in der Welt einfach ausradieren l?sst. Oh, mein geliebter Wenzel! Für mich fühlt es sich so an, als ob du immer noch unter uns weilen würdest. Und doch fehlst du mir so!“ Nun über den Tod ihres Mannes, welcher sich damals erst kurz vorher angekündigt hatte, sinnierend, vollendete sie den Rundgang durch die Arkade, und begab sich dann wieder zurück ins Geb?ude. Wenzel würde immer einen besonderen Platz in ihrem Herzen einnehmen. Er war ihr Ein und Alles gewesen, ihr Augenstern mit Sternenaugen.
Als sich Amalie wieder dem gro?en Stiegenaufgang n?herte, kam ihr bereits ihre Leibw?chterin, Raskild, entgegen, welche fieberhaft nach ihrer Herrin gesucht hatte. Die Statthalterin hatte vergessen sie über ihren kurzen Austritt in Kenntnis zu setzen, was einiges an Aufruhr bei der Frau verursacht hatte. ?Mach dir keine Sorgen. Ich bin ja schon wieder zurück!“, sprach sie Raskild zu, doch deren Agitation brauchte noch ein wenig, um sich wieder zu beruhigen. ?Eure Hoheit, ich w?re untr?stlich, wenn Euch etwas gesch?he! Bitte, gehen Sie nicht einfach ohne mich irgendwo hin. Es ist meine Aufgabe, Sie zu beschützen.“ –?Ja, ja. So schnell werde ich schon nicht umkommen, du Sorgenliese!“, spielte die hohe Dame da auf ungehobelte Art die Besorgnis ihrer Leibgarde herunter. Sie schaffte es nur ein paar Stufen die Treppe hinauf, da kam gleich die n?chste Person mit einem Anliegen zu ihr.
?Durchlauchteste Statthalterin!“, rief ihr Berater ihr zu, und kam sogleich auch zu ihr aus dem ersten Stock herab. ?Hach…… Was gibt es denn, Rizzo?“, erkundigte sich Amalie daraufhin entnervt. Der Mann erwiderte: ?Es ist mir zugetragen worden, dass die geheime Kammer unterhalb des Palastes mit mehreren neuen Schl?ssern versehen worden ist.“ Dies schien das Interesse der Herrscherin, deren Verdruss von der Politik ihr buchst?blich anzusehen war, zu wecken, da es ausnahmsweise mal eine andere Thematik war. ?Wenzel hatte stets den Zugang zur Kammer verboten, und diese immerzu verschlossen gehalten. Es w?re nicht verwunderlich, dass er sie vor Neugierdsnasen schützen wollte und noch zus?tzliche Schl?sser angebracht hat, als er bemerkte, dass seine Gesundheit nicht mehr mitspielte“, war ihre Antwort. ?Durchaus, Eure Majest?t, durchaus! Aber ich h?tte sicherlich darüber Bescheid gewusst, wenn dies schon vor dem Ableben des Kaisers geschehen w?re. Folglich nehme ich an, dass dies erst im letzten Monat, in etwa, gemacht wurde.“ Amalie meinte darauf: ?Im letzten Monat? Kommst du auf diesen Zeitraum, weil Ludo vor vier Wochen abgereist ist?“ – ?Ja. Ich vermute eine Verbindung mit der Bekanntmachung des Verbergens des Seelenamuletts.“ – ?Deine Begründung?“ – ?Nur so ein Gefühl. Irgendetwas sagt mir aber, dass in der geheimen Kammer etwas Bedeutsames versteckt ist, das man nicht finden soll.“
Die edle Dame gab ihm da recht und sprach: ?Verschaffe er sich Zutritt in die Kammer, und sieh er, was sich darin verbirgt. Ich will ebenso so wissen, ob es da Mysterien gibt, die entweder mein Liebster oder vielleicht Peter oder Silke unter Verschluss halten wollten.“ Rizzos Antlitz erstrahlte f?rmlich als ihm dies aufgetragen wurde, und voller Freude entgegnete er: ?Jawohl, Eure Hoheit! Es wird so geschehen!“ Und im Nu hatte er sich wieder verflüchtigt. Amalie erklomm die restlichen Stufen und bewegte sich dann langsam und in Begleitung Raskilds den prachtvollen marmornen Flur entlang. Die Zur-Schau-Stellung von Reichtum und Macht war einer der Hauptgedanken dieser Reinkarnation des Kaiserpalastes. Zwar war er nicht derselbe wie der Ursprüngliche, jedoch war er absichtlich vom Baustil her extrem nahe an diesem gehalten. So wie der einstige Melgarionenpalast sollte die Residenz des Herrschers, der Ort von dem aus der Von-Gott-Erkorene regierte, eine physische Manifestation von dessen Macht sein. Deshalb war er so pomp?s. Deshalb wer er so edel, so gewaltig gro?, so atemberaubend. Das gemeine Volk sollte ihn als übermenschlich erhaben, als unantastbar wahrnehmen. Und dieses einfache, wenn auch kostenaufwendige Kalkül schien aufzugehen. Die Priester in ihren Kathedralen lobpreisten ihn jeden Tag, und seine Kr?fte waren unerkl?rlich und unüberwindbar. Der Kaiser des Heiligen Ordanischen Reiches lebte in den K?pfen der Menschen als t?glicher Begleiter.
Und die Heimst?tte dieses Mannes durchschritt nun dessen Ehefrau, welche schon zu sehr an diese gew?hnt war, um deren Imposanz noch wahrzunehmen. Sie schritt eine endlos lange Galerie an Fenstern entlang. Dann, pl?tzlich, ersp?hte sie drau?en auf der breiten Promenade vorm Hauptportal des Palastes etwas. Augenblicklich lie? sie ihre Leibgarde das Fenster für sie aufmachen. ?Halt! HAAALT! Was ist das denn? Was glaubt ihr, dass ihr damit macht?“, brüllte sie zu einer Gruppe an Arbeitern hinunter. Der Haufen M?nner blickte anfangs verwirrt auf sie herüber. Als sie schlie?lich merkten, wer sie da angesprochen hatte, ?nderte sich aber sofort ihre Stimmung und sie unterbrachen den Transport, den sie gerade vollzogen. Die Fracht, die man hier sehen konnte, war eine überlebensgro?e Statue, die die Arbeiter auf einem gigantischen Wagen vorw?rtsrollten.
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Es war eine Kreation, die aus dem feinsten Material gefertigt worden war. Ein Abbild, das den Kaiser in seiner Blütezeit zeigte, als er noch jung war und einen starken, m?nnlichen Gesichtsausdruck hatte. Eine Darstellung, die die vermeintlich unbeschwerten Tage des Imperiums in Stein verewigte, obwohl dies keineswegs der Wahrheit entsprach. Es hatte schon immer Not und Leid gegeben, selbst vor der Katastrophe, die Meglarsbruck an jenem Schicksalsstag verwüstet hatte. Nach diesem einen Tag war das Leben für viele unertr?glich hart geworden, und für viel zu viele Menschen war das Dasein auf das reine überleben reduziert worden. Nein, diese Statue wollte etwas festhalten, das nie existiert hatte, einen Mythos. Und Amalie wusste, dass ihr Mann, dieser vermeintliche ?Melgar“, immer mehr als nur ein blo?er Mann gewesen war, dass er immer auch ein Mythos gewesen war. Und dennoch hasste sie das. Ihr Geliebter wurde fortan zu nichts weiter als einem beinahe g?ttlichen Bildnis, einem in Stein gemei?elten Ideal werden. Das war auch mit allen Heiligen vor ihm geschehen, mit allen Nachkommen des ursprünglichen Melgar. Mit ihrem Tode waren sie unsterblich geworden, so widersprüchlich das auch klingen mochte. ?Nein!“, murrte Ihre Hoheit. ?Er ist nicht wie sie! Er ist MEIN Wenzel! Mein, nicht ihrer!“, rief sie. ?Ich will keine Heiligenstatue von meinem Geliebten sehen, solange ich noch lebe!“, schrie sie hinunter zu den Arbeitern.
Statuen errichtete man nur für die Toten. So war es Brauch, doch auf diesen berief sich die Statthalterin nicht, denn ihr pers?nliches Empfinden war der eigentliche Grund für ihren Befehl. ?Ihr habt doch ohnehin die Statue von eurem alten Melgar. Das muss ausreichen!“, rief sie ihnen zu. Das Monument wurde somit wieder verr?umt. Am selben Tag schickte Amalie noch einen Diener, um zu überprüfen, ob man ihrer Order auch tats?chlich Gehorsam geleistet hatte. Der H?fling betrat irgendein staubiges, altes Lagers. Und da war es. In Planen gewickelt lag das Ding eingemottet im hintersten Winkel der Bude. So ruchlos, es zerst?ren zu lassen, wollte die Herrscherin auch nicht sein, doch eigentlich hoffte sie, dass die Statue im Laufe der Zeit einfach vergessen werden würde. Denn für sie war Wenzel nicht tot. In ihrem Herzen lebte er fort. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass des Kaisers Seele nicht aus der Welt war, sondern in einem blauen Klunker, der in einem Schmuckstück eingesetzt war, verharrte und auf den richtigen Tag wartete……
Der Abgang führte tief hinab in die Dunkelheit. Die finsteren Steine des Gem?uers waren feucht und glitschig. Durch einen verworrenen, labyrinthartigen Gang ging es weiter. Die Kerze in seiner Hand half unserem Mann, erm?glichte sie doch, dass er wenigstens ein klein wenig sehen konnte. Anfangs irrte er etwas umher, verlor sogar die Orientierung für einen kurzen Moment. Dieser Keller war wirklich dafür pr?destiniert, sich darin zu verlaufen. Und das war auch Absicht! Bald schon fand unser Kerl die Türe, nach der er gesucht hatte. Sie war aus dickem, festem Holz, welches noch recht neuwertig aussah. Ganze vier Schl?sser verwehrten Au?enstehenden den Zugang zu dem Raum dahinter. Wirklich übertrieben! Rizzo starrte einen Augenblick auf diese hin.
?Weder der Haushofmeister noch irgendwer anderer hatte die Schlüssel für die drei mysteri?sen neuen Vorh?ngeschl?sser, oder wusste, wo diese sein konnten, geschweige denn wer diese neuen Schl?sser hier angebracht haben k?nnte. Ich würde wetten, dass Silke dahintersteckt! Nicht, dass ich so wie meine Herrin irgendeinen Hass auf diese h?tte. Trotzdem, sie ist mir entkommen, und jetzt kann ich sie nicht um Angelegenheiten wie diese hier befragen. Sie h?tte mir sofort darüber Auskunft geben k?nnen, was hier drin ist und warum die verbotene Kammer unzug?nglich gemacht wurde. Naja, es hilft ja nichts. So oder so wird man mich nicht davon abhalten k?nnen, diese aufzubrechen.“ Nun, direkt aufhalten konnte ihn jetzt keiner, aber da war noch etwas anderes. Entlang des runden Türstocks fiel ihm nun n?mlich eine Botschaft auf, die jemand darauf eingeschnitzt hatte:
Des Heilands Segen über diesen Ort
Gepriesen sei sein jedes Wort
Willst du hier rein
So lass es sein
Denn brichst du ein
Wirst du ‘s bereuen
?Hmm. Vermutlich ein Versuch potentiellen Einbrechern Angst zu machen.“ Rizzo überlegte. Diese Sache beunruhige ihn schon. ?Handschrift kann ich keine erkennen, da es ins Holz geschnitzt ist. Dennoch k?nnte es tats?chlich seine Heiligkeit gewesen sein, die diese Nachricht hinterlassen hat. Irgendein Zauberspruch oder Fluch wird es aber auch nicht sein…………… Hoffe ich. Auf diese Art erinnere ich mich nicht, dass er Magie geübt h?tte.“ Schlie?lich befahl er seiner Begleitperson aber doch, die unnützen Vorhangschl?sser zu entfernen. Das Erste lie? er allerdings in Ruhe, da er für dieses den Schlüssel erhalten hatte, und er nicht wollte, dass Leute hier einfach rein- und rausgehen konnten. ?Wumms! Wumms!“, donnerten die Hammerschl?ge hernieder und lie?en die Flamme der kleinen Kerze wüst umherflackern, sodass sie schon beinah wieder aus Versehen ausging. Mit Hammer und Mei?el machte der starke Typ, den er mitgebracht hatte, kurzen Prozess mit den drei l?stigen Dingern. Dann sperrte der kaiserliche Berater das eine Schloss, das er konnte, auf. ?Klick!“, ging es und schon schwang die Türe langsam auf.
Erpicht wollte Rizzo sogleich vorandr?ngen. Doch da teilte ihm der andere Kerl jenes mit: ?Ich bleibe lieber hier, Chef.“ – ?Hast du dir etwa Angst von dem Sprüchlein machen lassen?“, reagierte der kaiserliche Diener da in piesackendem Tonfall. ?Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es besser ist, wenn ich hier drau?en stehen bleibe und warte. Ist das okay?“, kam es darauf zurück. Sein Vorgesetzter gab da ein entnervtes Seufzen von sich. ?Wie auch immer. Ich brauche dich ohnehin nicht.“ Dann setzte er seinen ersten Schritt hinein in die g?hnende Leere, die sich vor ihm auftat. Der Raum hatte keine Fenster. Deshalb war es stockfinster darin. Als der Mann die n?chsten drei Schritte vorw?rtsging, erfüllte der schummrige Lichtschein seiner Kerze jedoch die Kammer. Es war nicht wirklich eine gro?e Kammer. Hinten konnte er einige kleinere, aus Stein gemei?elte Podeste ausmachen, auf denen zugeschlagene Bücher platziert waren. Die Decke formte ein Gew?lbe, welches von vier S?ulen gestützt wurde. Hellgraues Gem?uer. Zu seiner Linken sowie seiner Rechten standen ein paar Bücherregale und ein kleiner Tisch. All dies war noch nichts sonderlich Erw?hnenswertes.
Jedoch war da etwas anderes, das sofort sein Augenmerk auf sich zog. Auf der Wand gerade direkt gegenüber dem Eingang befand sich ein Relief mit 5 stilisierten Blütenabbildungen. Darüber, darunter, und auf allen restlichen W?nden waren endlose Inskriptionen. Es war keine Schrift, die er jemals gesehen hatte. Sie wirkte geheimnisvoll, antik und es handelte sich dabei ganz bestimmt nicht um Camenisch oder Kascharisch. Das machte ihm fast schon Angst. ?Welch Unsinn! Wovor fürchtest du dich denn, bitte?“, riss er sich selbst gleich wieder am Riemen. Wo er das allerdings tat, fiel sein Blick gen Boden. Und nun erst registrierte er, dass auch dieser zur G?nze mit denselben Kritzeleien versehen war. über und über voll war er davon, sodass die W?rter – was auch immer sie bedeuteten – bis ganz an die R?nder und bis in die letzten Ecken des Raumes reichten. Seine Augen schweiften nach oben und auch auf der Decke machte er dieselbe Beobachtung. Der Kaiserliche Berater wusste allerdings, dass dies kein Zauberkreis war, denn er hatte beizeiten gesehen, wie jene, die Silke für seine Majest?t gezeichnet hatte, ausgesehen hatten. Aber wenn nicht das, was waren sie dann? Infolge bewegte er sich nun vorsichtigen Schrittes nach vorne, um zu sehen, was denn die Bücher waren, die man hier auf den Podesten so prominent pr?sentiert hatte.
Er trat an das erste heran. Es war ein in Leder gebundenes Buch, auf dessen Umschlag ?De Arte Magica I“ zu lesen war. Ein Stück daneben machte er dann den zweiten Band derselben Reihe aus. ?Faszinierend!“, verlautbarte er seinen momentanen Eindruck. Dann, urpl?tzlich, lief dem Mann ein Schauer über den Rücken. Ein mulmiges Gefühl überkam ihn in dieser schaurigen, dunklen Kammer. Sein Verstand sagte ihm, dass es nichts zu fürchten gab, aber sein Instinkt war da ganz anderer Meinung. Dieser riet ihm: ?Verschwinde so schnell es geht von hier! Dieser Ort ist nicht für dich bestimmt!“ Und Rizzo h?rte darauf. Ruhigen Schrittes, jedoch gegen Ende hin immer schneller werdend, verlie? er den Raum wieder. Hinter sich verschloss er ihn wieder. Und dennoch, als er so an der verschlossenen Türe stand, beherrschte ihn immer noch eine Furcht, die er nicht erkl?ren konnte. Gemeinsam mit seinem Begleiter, dessen vorherige Gefühle er jetzt besser verstehen konnte, kehrte er um, und begab sich wieder zurück nach oben. Er würde seiner Herrin Bericht erstatten. Was auch immer sie damit anfangen würde, blieb Ihrer Hoheit überlassen.

