Dann ging er wieder hinaus aus dem kerzenlichterhellten Heiligtum und unter die grelle Mittagssonne. Auf dem Weg hinüber zu einem Aussichtspunkt nahm er schon wieder einen Schluck von seiner Flasche. Ein wenig lie? er dann die Aussicht über die Stadtlandschaft auf sich wirken, eine Idee, die leider das riesige Gewühl an Besuchern hier auch hatte. W?hrend er so den Blick über die endlose Anzahl an Kirchentürmen und anderen uralten Geb?uden schweifen lie?, verging einiges an Zeit, wie viel konnte er nicht genau sagen. Langsam spürte er, wie ihm ein Hungergefühl kam. Er setzte sich hin auf eine kleine Bank ohne Lehne und holte ein wenig von dem D?rrfleisch, das er eingepackt hatte, hervor. ?Die Meinen sollte ich dann auch wieder suchen und sie darüber in Kenntnis setzen, was ich mit dem Hauptmann der Hüter des Heiligen Grabes besprochen habe, und wie wir jetzt weitermachen werden“, dachte sich der In-die-Jahre-Gekommene da, w?hrend er energisch, ruckartig und fast wie ein wilder Wolf von seiner Mittagsjause herunterbiss.
?Ich kann auch nie genug von dem Ausblick hier bekommen. Es ist wie eine Reise zurück in die Zeit, wenn man sich die Kulisse hier ansieht.“ Herr von Lohr schuckte noch schnell runter, was er soeben getrunken hatte, um damit seine Jause hinunterzuspülen, und drehte sich dann zur Seite, um zu eruieren, wer ihn da angesprochen hatte. Der Anblick desjenigen, den er hier sah, schien dann aber Amüsement bei ihm hervorzurufen. Es war ein Mann in Form eines gro?en, runden Balls. Blonde Haare hingen von dessen Haupt herab und ein überfr?hliches Gesicht warf ihm mehr Lebensfreude entgegen, als der Greis verkraften konnte. Das Alter dieses in einem geflickten Durcheinander an Kleiderfetzen gekleideten Typen war aufgrund seiner Fülle schwer einzusch?tzen. ?Was für ein komischer Kerl“, ging es Ulrich da durch den Sinn. Als er fragte, ob er sich zu ihm gesellen durfte, gew?hrte es ihm der Alte mit einem geschwinden Handwink.
Dann stellte er sich unaufgefordert vor: ?Als Erl bin ich bekannt. Nett Sie kennenzulernen, Herr Ulrich von Lohr, Abgesandter der Heiligen Gesandtschaft.“ – ?Woher wei?t du, wer ich bin? Hast du mich und den Kommandanten etwa belauscht?“ – ?Nicht wirklich. Ich hab mich vorher mit einem Eurer Schergen unterhalten. Von dem hab ich es erfahren.“ Sein Gegenüber wirkte daraufhin nicht sonderlich erfreut. Er mochte es nicht, wenn seine Leute zu viel von ihm, oder, um ehrlich zu sein, überhaupt irgendwas von ihm preisgaben. ?Und was willst du von mir?“, fragte er verd?chtig. ?Es gibt nichts, was ich dir mitteilen wollen würde.“ – ?Seid doch nicht so argw?hnisch. Ich will nur ein nettes, zwangloses Gespr?ch führen, sonst nichts. Sie wirken mir ja viel-herumgekommen. Es würde mich interessieren: Wie sehen die Dinge bei Ihnen in Ordanien aus. Ist es da auch so chaotisch wie hier?“
Skeptisch, da sein Gespr?chspartner offenbar flie?end Ordanisch sprach, hob der Befragte da eine Augenbraue, entgegnete schlie?lich aber: ?Nein, bei uns ist kein Durcheinander, weil das alte K?nigshaus durch eine Marionette des Regimes in Meglarsbruck ersetzt wurde. Bei uns ist alles wie gehabt: Erstickend autokratisch, mit gelegentlich kleinen Aufst?nden, die nie auch nur die geringste Chance hatten und haben.“ Nicht einmal, nachdem er das geh?rt hatte, wurde das strahlende L?cheln auf dem Gesicht Erls merklich schw?cher. Dann gab der dicke Kerl zurück: ?Vielleicht geh?rt diese Drangsal auch zu Gottes Plan. Versuch immer das Positive zu sehen. Die Welt ist schon traurig genug. L?chle, denn es k?nnte immer noch schlimmer sein.“ Diese Behauptung schien bei dem einstigen Milit?r nun auf ungute Weise einen wunden Nerv zu treffen. ?Was wei? der schon!“, dachte er sich. Dann sprach er ihn nicht in Gedanken, sondern mit Worten an:
?Und was für eine Lehre will uns der Herr hier erteilen? Etwa, dass autokratische Herrschaft schlecht ist?“ – ?Oh, hoho! Nein, mein Freund, das wohl sicher nicht! Sie ist ein Teil der menschlichen Existenz. Als solche bringt sie gleichsam Gutes wie Schlechtes. Auch wenn du sie nicht magst, sie ist schlicht unvermeidbar.“ – ?Es kann doch auch eine Aufteilung der Macht im Staat und eine Verschr?nkung der Gewalten geben. Diese kann auch funktionieren.“ – ?Und ist diese ewig? Im Endeffekt ist ein solches Arrangement prim?r von Blockiererei, Handlungsunf?higkeit und Kuhhandel gepr?gt. Ist das etwa die Idealform einer Regierung in deinen Augen? Wird eine Solche immer standhalten und nicht irgendwann wieder von der Autokratie abgel?st werden? Die menschliche Existenz ist von Zyklen bestimmt. Einmal geht es bergauf, dann wieder bergab. Ein Status Quo kann nicht ewig w?hren. Und wenn ein goldenes Zeitalter zu Ende gegangen ist und ein eisernes darauffolgt, so werden die Rufe nach einer neuen Hoffnung, einem neuen Retter, einem neuen Messias immer lauter werden. Eines Tages wird dann wieder ein neuer Erkorener erscheinen und mit der aufgehenden Sonne durch das Tor dort unten schreiten. Mit seinem Licht wird er dann wieder das Volk aus der Finsternis herausführen. Es ist die Natur der Dinge, der Wille Gottes.“
Als er das h?rte, kippte sich Herr von Lohr gleich nochmal ordentlich einen runter. Danach sprach er: ?Hick! Kein Neuer! Wenn, dann ist es wieder Melgar, wieder derselbe ?Erl?ser‘, den wir bekommen werden! Mit seiner Magie wird er sich wiederauferstehen lassen. Das ist ja auch der offensichtliche Grund, aus dem er die alte Prophezeiung wiederbelebt hat. Ewige Wiederkehr. Das Schicksal k?nnen wir nicht ?ndern. Wir sind alle nur gefangen im endlosen Kreislauf des Unterdrückt-Werdens und Unterdrückens!“ Nun verschwand zum ersten Mal für einen kurzen Augenblick der Frohsinn vom Antlitz Erls und er entgegnete ihm: ?Auch wenn dich das bedrückt, dich anzusaufen, wird dir hier auch nicht helfen. Wie bereits gesagt: L?chle und sei froh, denn es k?nnte schlimmer sein. Hinter allem Leid wir schon ein Sinn stecken, auch wenn du ihn noch nicht sehen kannst, vielleicht sogar nie sehen k?nnen wirst.“
?Ach halt doch dein Maul! Was wei?t du schon, was ich gegeben, was ich verloren habe!“, fuhr ihn daraufhin der verschrumpelte Apfel an. Nach der Aufforderung sich davonzuscheren, befolgte der seltsame Zeitgenosse diese sofort und verlie? den ehemaligen General auf der Stelle. Ulrich sinnierte dann noch kurz. Auf einmal kam ihm aber noch eine Frage, die er dem überoptimistischen Fremdling stellen wollte. ?He!“, rief er und drehte sich um. Doch da war er schon fort. Unter den Scharen an Leuten, die sich hier auf dem Serapinal tummelten, war er schnell verschwunden. Obwohl ein solcher Typ eigentlich unter der Menge hier recht stark hervorstechen h?tte müssen, aber Ulrich konnte ihn ums Verrecken nicht mehr ausfindig machen.
Fast schon am gegenüberliegenden Ende des Plateaus hatte man einen guten Blick hinüber aufs Meer. Naja, wie man’s halt sehen wollte. In ganze drei Himmelsrichtungen lag hier der Ozean. Nirgendwo war er allerdings n?her als im gro?en Hafen, der sich in der gut geschützten Bucht im Nordosten befand. Gen Osten und Süden hin war das Meeresblau zwar auch von hier oben aus zu erkennen, doch fühlte es sich da noch erheblich ferner an. Im Port hingegen lagen die gro?en Schiffe, deren Segel einem schon von Weitem ins Auge stachen. Oder zumindest war das früher immer so gewesen. Ein mittelalter Mann in schwarzen Kutten, kaum ?lter als 30, trat da an eine ?hnlich junge Frau mit goldblondem Haar heran, die sich hier oben herumtrieb.
?Sag mal, Hübsche, was ist denn mit den gro?en Galeonen, die hier immer vor Anker gelegen sind, passiert?“ Die Dame schaute ihn anfangs überrascht an. Sie betrachtete ihn von Kopf bis Fu?, und registrierte das Emblem der Heiligen Gesandtschaft auf seinen Gew?ndern. ?Kann ich Ihnen helfen?“, gab sie ihm dann überh?flich als Gegenfrage zurück. Er meinte da nur: ?Glauben Sie nicht, dass ich mich hier nicht auskenne, Fr?ulein. Ich bin hier geboren Constantio ist der Name.“ – ?Philomena“, erwiderte die immer noch Verwirrte da abgehackt. ?Kein Grund zur Nervosit?t. Ich habe ja nur eine Frage gestellt.“ Als sie ihm einen leeren Blick entgegenwarf, führte er das Zuvor-Gesagte erneut aus: ?Ich kann mich noch erinnern, als man immer die Masten der gro?en Handelsschiffe vom Ende der Breiten Mauern aus sehen konnte. Jetzt sind sie nicht mehr da. Das ist nicht normal. Was ist denn geschehen?“
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Verwundert über dessen Unwissenheit kommentierte die Frau darauf: ?Das wissen Sie nicht? Und das, obwohl der Seehandel hier immer von solch essentieller Bedeutung war. Der Handel mit den Seev?lkern hat uns immer reich gemacht. Ohne diesen….naja, sie k?nnen ja wohl selbst sehen in welchem Zustand sich unser Camenia befindet. Der Kerl zog es vor, hier nicht zu antworten. Dennoch, eine befriedigende Erkl?rung hatte er immer noch nicht erhalten. Darum sprach er die Sache nochmal an: ?Was ist denn genau passiert?“ – ?Oh, Gott, Sie wissen es ja wirklich nicht!“, ?u?erte die Dame da beinah im Unglauben darüber, wie das denn m?glich war. Ihr war natürlich nicht klar, dass Constantio schon seit seiner Kindheit nicht mehr in diesem, seinem Geburtsland gewesen war.
?Er war der Grund. Ihm haben wir’s zu verdanken, dass die Galadeer ihren Glauben an ihren vormaligen Herrscher verloren haben, aber auch dessen Nachfolger ist nicht wirklich etwas wert. Er kann und will auch nichts an den Ursachen unserer Probleme richten. Traut sich auch nicht. Wissen Sie, mein Vater war einmal ein wichtiger Spediteur, der viel mit dem Warenimport dort unten zu tun hatte.“ Dann fuhr sie fort ihm von dem Tag zu berichten, an dem Camenias Schicksal sich wandte:
?Hau Ruck! Hau Ruck!“, gaben die Kerle im Akkord von sich. Gro?e Kisten, randvoll mit importierter Ware, wurden per Kran von Deck gehievt. Das dazugeh?rige Schiff war eine gro?e Handelsgaleone, eine von zahllosen, die hier im Hafen lagen. Natürlich gab es auch viele kleinere Fischerboote, Karavellen und vielerlei andere Boote unterschiedlicher Bautypen, die hier im gro?en Haupthafen Camenias vor Anker lagen. über die sogenannten ?Weiten Mauern“ war er mit der Hauptstadt des K?nigreichs verbunden, welche nicht direkt am Meer lag. Selbst hier am Hauptdock, wo nur die gro?en Handelsschiffe und nicht die kleinen Nussschalen der Fischer anlegen durften, konnte man die M?wen laut umherkreischen h?ren, und das, obwohl der Fang, der sie anzog, ein ganzes Stück weiter unten im Hafen zu finden war. Frachtführer und Spediteur standen, w?hrend das Abladen der Güter der ?Cassiopeia“ bereits aufgenommen wurde, anbei und diskutierten mit dem Kapit?n über den bürokratischen Firlefanz der Warenabnahme.
?Ei, Bürschlein, mir scheint, dass du keinen Respekt vor den Tücken der See hast!“ – ?Nein, du verstehst nicht, Seemann! Die Zeiten haben sich ge?ndert. Seitdem man uns eine Sperre über jeglichen Handel au?erhalb von Kaphkos erlassen hat, müssen wir die Beh?rden ordentlich schmieren, um die Sache weiterführen zu k?nnen. Unsere Gewinnspanne ist vollkommen dahingeschmolzen. Leider k?nnen wir dir nicht mehr für die Ware zahlen als das, oder auch wir gehen bankrott.“ – ?Was? Den Handel verboten? Was für einen Humbug erz?hlt ihr mir hier, bitte? Wir sind normalerweise die, die das Seemannsgarn spinnen.“ – ?Leider ist das kein Scherz, alter Seeb?r!“, kommentierte der Frachtführer da und warf dem Adressierten ein trockenes Lachen entgegen. ?Es ist ein Heiliges Dekret vom Kaiser h?chstpers?nlich! Keine Ahnung, was er sich bei dem Schwachfug gedacht hat. So ein Einfall ist verbl?deter Irrsinn!“ Der Kapit?n pflichtete ihm da nur bei. über den Fakt, dass er damit einen Transport im Minusgesch?ft unternommen hatte, war er zwar ziemlich sauer, aber konnten da seine Gesch?ftspartner auch nichts für. M?glicherweise würde er sogar die Geh?lter seiner Arbeiter kürzen müssen, wenn er keinen Weg fand, um seine Verluste auszugleichen. Mürrisch stampfte er über die Knarzenden Holzdielen des Steges zurück zu seinem Boot.
Pl?tzlich zog ein Mordsradau, der sich im Hafen zu bilden schien, seine Aufmerksamkeit auf sich. ?Was ist das denn jetzt schon wieder?“, fragte er sich. Als er es sah, erstarrte er in Ehrfurcht. Auf dem Dach der Hütte des Hafenmeisters stand ein einzelner Mann. Alle blickten zu diesem hinauf, riefen nerv?s und unruhig alles M?gliche umher. Viele verfielen auch in eine momentane Schockstarre, w?hrend andere hingegen auf die Knie fielen und ?Ave Melgar“ zu rufen begannen. Seine Heiligkeit war eingetroffen! Die zwei Sterne stachen intensiv auf das geordnete Gewirr an Hafenarbeitern und Matrosen herab. Zeitgleich mit dem Heben seiner Hand, um allen ?Ruhe, bitte“ zu signalisieren, verwies seine Stimme via Telepathie in den K?pfen der Anwesenden, diese auch auf das Selbige. Schnell wurde es still. Dann begann seine Majest?t zu sprechen: ?Es scheint nun so, dass meine Untertanen nichts von meinen Bestimmungen und Dekreten halten. Nach wie vor sehe ich Güter aus ferner Herren L?nder hier ankommen. Ihr dachtet wohl, ihr k?nntet euch die Taschen weiterhin füllen, und mich einfach ignorieren, oder? Aber so sicher nicht! Dem werde ich einen Riegel vorschieben!“
Seine Majest?t hatte gesprochen. Keiner wusste, was er antworten sollte. Das war aber auch nicht notwendig. Gleich darauf erhob sich der Zauberer in die Lüfte und flog weg. Nicht weg aus dem Hafen – oh nein! – weg von der Hütte und hinüber zu den gro?en Handelsgaleonen! Dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Der Erkorene lie? seine Aura ausstr?men und formte sie dann zu einer Kugel, die ihm umgab. Der leuchtende Ball hielt kurz inne, dann schoss er auf einmal mit gewaltiger Geschwindigkeit davon. Er fuhr hernieder auf das gr??te Schiff, das hier vor Anker lag und durschlug sogleich dessen Rumpf! Die Menge johlte und schrie in Panik, jedoch vor allem aus Entrüstung. Das Loch, das er in die Galeone geschlagen hatte, war so riesig, dass diese augenblicklich zu sinken begann. Am Meeresgrund angekommen, wechselte Melgar gleich Richtung und brauste mit lautem Krach wieder schr?g herauf, das nebenbeiliegende Schiff als n?chstes zerst?rend! So würde er nun fortfahren. Die magische Sph?re raste, gleich einer Abrissbirne, durch einen Kahn nach dem anderen. Er haute desastr?s gro?e L?cher in die Schiffsrümpfte, dann flog er in etwas gr??erer H?he über die Boote und brach den Masten eines jedes einzelnen von ihnen. Die Spediteure und H?ndler fielen beim Anblick dessen der Verzweiflung anheim.
Die gro?en Handelsschiffe waren zuerst dran, dann machte er sich in seiner Zerst?rungswut über die mittelgro?en und schlie?lich auch über die kleineren Schiffe her. Nichts entkam seinem Diktat. Man hatte sich ihm widersetzt, daher musste er ihnen jetzt eine Lektion erteilen! Letztlich steckte er dann zum Abschluss auch noch die überreste der Seegef?hrte in Flammen. Nichts sollte davon übrigbleiben. Das Heilige Dekret war somit vollstreckt worden. Die h?chste Instanz im Lande, hatte es erzwungen. Kaphkos würde nur mit sich selbst handeln, das war, was Melgar wollte. Dennoch war dies nicht die das Ende der Geschichte. Nicht alle Schiffe Camenias legten hier an, und schon gar nicht waren alle zu diesem Zeitpunkt hier vor Anker gewesen.
Die anderen Schiffe, die Kaiser Melgar aus welchen Gründen auch immer durch die Lappen gegangen waren, fuhren drau?en auf hoher See, weit au?er Reichweite der Autorit?t. Doch diese Nacht zog ein Gewitter heran. Und es war nicht einfach irgendein Gewitter. Es fing damit an, dass der Wind zu jaulen begann, als h?tte man die Furien der alten heidnischen Mythologie wieder zum Leben erweckt, und das Grollen des Donners überfuhr die See, dass man meinen konnte, ein Berg w?re mit einem Mal entzweit worden! Dann brach ein Unwetter los, das allem je Gesehenen spottete. Die Winde peitschten die See zu Türmen auf, die die darauf herumtreibenden Gef?hrte umherwarfen, als w?ren es blo?e Spielzeuge. Hin und her, auf und ab wankten da die Wogen, wie mythische Kolosse. Die kleinen Inseln und Atolle des Südmeeres überschwappten und verschlangen sie wie gefr??ige Monster der Untiefe. Es war ein Sturm wie jener der Endzeit. Es war Sein Sturm.
Der teuflische Orkan toste auch über alles in im Süden Camenias und über Galadea hinweg. Dessen Furor trug Bl?tter, Sand und andere Schmutzpartikel bis zur obersten Kuppe, der des Grabestempels, hinauf. Auf dessen h?chstem Punkt stand, durch den Schleier des aufgewirbelten Staubes und Regens kaum auszumachen, ein einzelner Mann. Der Magier streckte beide H?nde hoch in die Luft dem Himmel entgegen. Unter ihm waren an der Au?enkuppel, sowie am gesamten Plateau des Serapinals hellblau glühende Striche und Markierungen in einer runden Anordnung zu sehen. Nur aus der Vogelperspektive h?tte man den riesigen Zauberkreis, den diese formten, als solchen erkennen k?nnen. Auch der Blick des Erkorenen war himmelw?rts gerichtet. So laut er nur konnte krakeelte er geradezu in die wilde, stürmische Nacht hinaus. Es war ein aggressives, durch und durch zornerfülltes Brüllen in einer uralten Sprache, das seine Kehle da von sich gab. Er selbst konnte es nicht glauben, dass der Kummer, die Frustration, die er spürte, nicht seine wahren Gefühle waren. Für ihn fühlten sie sich echt an. Die Reime, die ihm in so geschmeidigen, weichen Lauten des Ostrisul von der Zunge gingen, speisten den gewaltigen Zauberspruch und erh?hten dessen Macht zu furchterregenden Ausma?en! Hinweg! Hinwegrei?en sollte er diejenigen, die sich der Kontinentalsperre zu widersetzen suchten! Es war Sein Wille!
Der letzte Abschnitt der Geschichte war nichts, wovon die Dame etwas wissen h?tte k?nnen, und doch war dieser Teil so wahr wie er nur sein konnte. Jeder in Galadea erinnerte sich noch an den Sturm, und im Innersten spürte jeder, dass dieser sein Werk gewesen war….

