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2. 05.2 Gen Osten (Teil 2)

  Schnell setzte der Herr dann wieder seine Reise fort. Diesen Abend erreichte er keine Siedlung mehr, fand jedoch vor Sonnenuntergang noch ein kleines Bauerngeh?ft, in dem man ihm übernachten lie?.

  Am n?chsten Morgen ging’s auch gleich wieder weiter. Das Klima wurde kühler, war aber immer noch unerwartet warm. Ab und an las Heiko wieder aus seinem kleinen Büchlein, meist betrachtete er aber die Natur um sich. In der Ferne zogen die gro?en, wei?en Gletscher der eigentlich kleineren Bergkette dieses Landes seinen Blick auf sich. Er wurde niemals müde dieses gewaltige Naturwunder zu bestaunen. Weiter des Weges trabend, tat sich etwas entfernt zu seiner Linken eine gro?e Lichtung im ansonsten dichten Nadelwald auf. Es war eine Schneise, die dem Anschein nach vor noch nicht allzu langer Zeit geschlagen worden war, da noch kaum etwas hier nachgewachsen war. Mitten in dieser stand ein kleines H?uschen, das einer Kapelle ?hnelte. Doch war es au?en mit allerlei sonderbaren Schn?rkeln versehen, die dem Vandalismus zuzuschreiben wohl wenig Sinn machte. Es war kein Weg zu diesem hin angelegt, und man musste durch den schlammigen Boden der Rodung durchwaten, um zu dem Geb?ude zu gelangen. Kommentarlos ritt Dorbasz daran vorüber, und dachte sich nicht viel dabei. Bald schon war das Ding wieder aus seinem Sichtfeld und Bewusstsein verschwunden. Er war viel mehr damit besch?ftigt, wie weit er noch bis in die kascharische Hauptstadt hatte.

  Sechs blattgrüne Drachen in typisch kascharischer Darstellung – also mit langem Schweif aber ohne Beine – die auf einem rot-gelben Wappenschild abgebildet waren. Das ersp?hten des Fürsten müde Augen auf den Standarten, die das Geb?ude, welches er nun betrat, zierten. Es handelte sich um den ?ltesten Ritterorden Kascharovars: Den Markerorden. Seine Etymologie lie? sich noch auf die ursprüngliche Bezeichnung derer, die einst Ordanien besiedelt hatten, zurückführen, n?mlich jene Markomannen, welche dann missioniert und zum Teleiotismus bekehrt wurden. Es war ein Name l?ngst verloren, der nur den Geschichtskundigen überhaupt noch bekannt war.

  Trotz der Etmanentracht, die unser Adelsmann trug, hielt ihn die Wache am Tor dennoch kurz auf. ?Was suchen Sie hier, mein Herr?“ Unmittelbar darauf entgegnete ihm Heiko: ?Wie kannst du es wagen, mich zu hinterfragen! Als ob der Fürst von Siern seine Angelegenheiten mit einem einfachen Knecht teilen würde! Gew?hre mir Einlass, denn ich habe etwas mit deinem obersten Vorgesetzen zu besprechen!“ Seine Emp?rung erzielte die gewünschte Wirkung. Nachdem man ihm seine Waffen abgenommen hatte, betrat der Edelmann sogleich das Hauptquartier des Ordens und machte sich auf den Weg zu dessen Obersten. Er durschritt einen dunklen Korridor, um schlie?lich bei einer gro?en, massiven Holztür anzukommen. Er wollte soeben eintreten, da ?ffnete sich das Ding, und ein Mann in langen, wei?en Roben rannte beinah in ihn hinein. Er hielt inne und fragte den Besucher, was er denn hier machte.

  In typischer Manier folgte nun Dorbasz Einführung seiner selbst. Der Ordensoberste verblieb extrem professionell – also zeigte weder eine negative noch positive Reaktion auf dessen überschw?ngliches Auftreten – und bat den Herrn unmittelbar herein in sein Arbeitszimmer. Auf einem kleinen Sofa nahm Dorbasz Platz. Als sich sein Gastgeber ihm gegenüber hinsetzte, stachen ihm die Kleinodien, die der Mann auf seiner ansonsten reinwei?en Kutte trug, ins Auge. Zwei davon waren Arten von Triquetras, also religi?se Abzeichen. Diese waren jedoch wahrscheinlich Auszeichnungen des Reiches – welches ja mit der Kommune wie ?hinotische Zwillinge“ zusammenklebte – und sie hatten nichts mit dem religi?sen Charakter dieses spezifischen Ordens hier zu tun. Obgleich der Markerorden auch Teil des Apparates zur ?Befriedung“ dieser L?nder hier war, was ja schon seit jeher der Fall gewesen ist, so hatte er, anders als beispielsweise der Kettenorden, keinen expliziten Missionsauftrag. Melgaristisch ideologisiert waren hier natürlich trotzdem alle. Diese Organisation hier würde unseren Fürsten wom?glich nicht so feindselig gegenüberstehen, was der Grund war, weswegen er sie aufgesucht hatte. Seine Konfession würde er trotzdem vor diesen geheim halten müssen, aber es bestand eine gro?e Wahrscheinlichkeit, dass niemand ihn hier kannte. So Gott wollte!

  ?Arne von Laberklamm ist mein Name, in meiner Funktion der Oberste dieses Ordens! Ich begrü?e Sie herzlichst hier in Nargyosch, durchlauchtester Herr! Was bringt Sie denn zu uns?“ Selbstverst?ndlich hatte sich Heiko zuvor überlegt, was er hier sagten würde. Somit entgegnete er dem Mann: ?Es haben sich aufgrund von Machtwirren in der Reichshauptstadt nun Dinge zugetragen, die Ihrer Majest?t der Statthalterin zuwider sind. Deshalb hat sie mich mit dem Auftrag hierhergeschickt, um einen Gegenstand zurückzubringen, der unrechtm??ig versandt wurde. Wissen Sie, wovon hier die Rede ist?“ Der Ritter stutzte da und antwortete: ?Ich habe keine Ahnung, wovon Sie hier sprechen.“ Folglich ging der Fürst dazu über, ihm die die jüngsten Geschehnisse in Meglarsbruck zu erl?utern. Dass sein Hausherr hier noch nicht über die Ereignisse im Bilde war, kam unserem Adeligen sehr gelegen, denn dadurch konnte er ihm nun glaubwürdig einreden, dass er von der Statthalterin geschickt worden war, um das Heilige Artefakt zu retournieren.

  ?Ein Artefakt Seiner Heiligkeit Melgars, welches von Ihm mit heiligen Eigenschaften impr?gniert worden ist, darf zu keinem Spielball irgendwelcher Unwissender und Scharlatane werden! Mir ist aufgetragen worden, es unter allen Umst?nden wieder zurückzubringen. Bitte, gehen Sie mir hier auch zur Hand, werter Herr!“, teilte er ihm dann mit. Es w?re nicht zwingend notwendig gewesen, Arne über die magischen Kr?fte des Amuletts in Kenntnis zu setzen. Doch das hatte Dorbasz leider nicht bedacht. Der Herr von Laberklamm erwiderte ihm dann, nach etwas überlegung: ?Wenn ein Bote ein Objekt, das Ihrer Beschreibung entspricht, hier in Nargyosch abgeliefert hat, dann glaube ich, dass es sehr schwer werden wird, dieses ausfindig zu machen. Ich kann meine Spitzel befragen, doch recht viel Zuversicht habe ich dabei nicht!“ So entt?uschend diese Antwort war, hatte Dorbasz genau eine solche erwartet. ?Trotzdem, danke schon mal im Voraus für Ihre Hilfe, Gro?meister!“ Arne nickte ihm bekr?ftigend zu. Dann teilte ihm der Fürst mit, dass er einstweilen, in einer Bleibe ganz in der N?he verweilen würde, und sich in ein, zwei Tagen wieder bei ihm rühren würde. Prompt fuhr sein Gegenüber ihm da gleich drein und meinte: ?Bitte nicht, mein Herr! Ich würde es als unh?flich und unwirtlich empfinden, wenn ich Ihnen nicht die übernachtung bei uns anbieten würde. Es sind genug Zimmer da, um für Sie Platz in unserem Quartier zu finden.“ – Nun, dann werde ich Ihre Gastfreundschaft nicht ausschlagen!“, entgegnete er dem sogleich.

  Und somit wurde Heiko in der Zwischenzeit beim Markerorden einquartiert. Er hatte nur geplant h?chstens ein paar Tage hier zu bleiben. Was er nicht wusste, war, dass es schlie?lich ein paar Wochen werden würden! In dieser Zeit tat der Edelmann nicht viel Relevantes. Er durchstreifte und erkundete die Hauptstadt des Kascharenlandes, welche überraschend gro?, wenn auch nicht vergleichbar mit den Gro?st?dten Ordaniens, war. Viele der offiziellen Bauten hier waren im Stile der Architektur des Reiches gehalten, waren sie doch von den Missionaren aus Ordanien hier errichtet worden. Die Heimst?tten der unteren Schichten, also der niederen Kascharen, waren da ganz anders, hatten ihr ganz eigenes Flair. Zum Beispiel hatten deren H?user oft nicht vier-, sondern sechseckige Grundrisse. Das war eine alte heidnische Tradition, die aber v?llig harmlos war. So generell war dieses Volk ganz anders als das Ordaniens. Dies war wenig überraschend für Dorbasz, aber für den einfachen Bürger einer ordanischen Stadt w?re diese Lokalit?t hier überaus ein Kulturschock.

  Jedoch ganz besonders fasziniert war Dorbasz nicht von den Menschen hier, deren Kultur oder der Architektur. Nein, sein Augenmerk viel auf die Natur. Nicht weil er ein Naturfreund war, sondern weil er nicht fassen konnte, was im Moment mit dieser vor sich ging. Es war warm an diesem Ort. Viel zu warm. Hier in diesem Hochgebirgstal, in dem es eigentlich Winter sein musste, herrschte eine beispiellose Hitze! Zwar war dies nur relativ gesprochen, doch es hatte unglaubliche Auswirkungen. Die Kirschenb?ume standen in Blüte! Niemals, nicht einmal in tausend Jahren, h?tte der Adelige so etwas jemals für m?glich gehalten! Kirschblüte im Winter! Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. War dies ein Zeichen Gottes? Wer konnte es schon sagen?

  Schlie?lich kam der Tag, an dem es ihm endgültig zu lange geworden war. Jeden Tag hatte er nun den ehrenwerten Herrn Gro?meister besucht, und jeden Tag hatte dieser ihm dasselbe mitgeteilt: ?Wir haben noch keine handfesten Informationen. Bitte, gedulden Sie sich noch ein wenig.“ Jetzt aber hatte Heiko genug! Entt?uscht und aufgewühlt stapfte er die Treppen zum Raum seines Gastgebers hinunter. Er trat ein, und machte sich bereit, Von Laberklamm mitzuteilen, dass er die Konsequenzen aus dem endlosen Stillstand hier ziehen musste. Mittlerweile fing sogar schon in den Stra?en an das Wort umzugehen, dass die Marker Ritter nach einem magischen Objekt suchten. Dann aber, sprach der Ordensmann: ?Gute Nachrichten, Eure Exzellenz! Nach langem Ringen und einer Menge an Druck, die wir von unserer Seite her ausgeübt haben, hat jemand aus dem Kloster Balgomasch endlich zugegeben, dass man bei ihnen ein verzaubertes Amulett versteckt hat.“ Der Fürst von Siern ben?tigte da einen Moment, doch schlie?lich schlug auch seine Laune in verzückte Freude um. ?Jawohl! Endlich!“, frohlockte er dann lauthals. Infolge machten sie sich gleich auf den Weg zum genannten Kloster.

  Das Hufklappern der aufbrechenden Gruppe erschallte über den ganzen Platz. Zuerst ritten sie entlang der Hauptstra?e, vorbei an den eindrucksvollen Repr?sentationsbauten. Hierbei passierten sie auch die gro?e Hauptbasilika der Stadt, welche im selben Stil wie die Verkündigungskathedrale gehalten war, jener Sakralbau in Meglarsbruck, welcher immer noch im Wiederaufbau begriffen war. Im langen Schatten von dessen Hauptturm bewegten sich nun Heiko und seine Gastgeber in Richtung Nordwesten. Es war nur eine kurze Reise. Erst etwas au?erhalb des Stadtgebiets, auf einem hohen Hügel -welcher aber im Vergleich zu den sich dahinter auftürmenden Bergen immer noch recht niedrig wirkte – lag das Ziel: Kloster Balgomasch. Der Tag war von ein paar grauen Wolkenschleiern verhangen, als sich die Truppe langsam den Weg zur Abtei hinaufschob. Kalte, düstere Steine in dunklem Grau brachten ihnen von der Weite schon einen bedrückenden Willkommensgru? entgegen. Die Glaubensbrüder, die von ihrem Kommen natürlich schon in Kenntnis gesetzt worden waren, lie?en sogleich unter lautem Quietschen und Rasseln der Ketten und R?der des Zugbrückenmechanismus das gro?e Tor der Festung herab. Dem Markerorden verweigerte man nicht den Eintritt.

  Stolen from its original source, this story is not meant to be on Amazon; report any sightings.

  Geschwind fanden sich dann alle bedeutenden Personen im Konferenzsaal ein. Es war ein ebenso dunkler, bedrückender Raum, wie man vom ?u?eren des Klosters vermutet h?tte. Der Abt und ein paar seiner M?nche sa?en auf der einen Seite des Tisches, w?hrend die andere g?nzlich von Dorbasz, Von Laberklamm und ein paar ihrer Begleiter eingenommen wurde. Somit zeichnete sich schon von Anfang an eine Konfrontation ab.

  ?Hochgesch?tzte Glaubensbrüder!“, ergriff nun der Abt als Erster das Wort. ?So, wie wir es euch mitgeteilt haben, hat sich nun nach intensiven Ermittlungen und Befragungen ergeben, dass einer unserer Brüder hier insgeheim ein Objekt von einem uns unbekannten Boten erhalten hat, von dem er uns nichts erz?hlt hat. Schlie?lich gab es Bruder Matth? hier allerdings zu.“ Der Erkl?rende legte eine Hand auf die Schulter des betroffenen Mannes, und zeigte mit seiner anderen Hand auf ihn. Gesagter Mann versuchte den Anschein zu geben, dass er offen gegenüber den Ank?mmlingen sei, doch wandte schon einen blo?en Augenblick sp?ter wieder seinen Blick von diesen ab. ?Wir haben ihn schon auf Herz und Nieren getestet. Er scheint wirklich nicht zu wissen, wer der Reiter war.“

  ?Dessen Identit?t spielt keinerlei Rolle“, erwiderte ihm Gro?meister Arne da sogleich, und fügte hinzu, ?Wir wissen, dass er ein Bote im Auftrag des Reiches war.“ Die Geistlichen warfen ihm daraufhin ein paar verwirrte Blicke entgegen. Arne fuhr fort: ?Für uns ist nur der Gegenstand selbst von Interesse. Die Statthalterin, also die aktuelle Regentin, Ihre Durchlauchteste Hoheit Amalie Althun, verlangt das Amulett zurück. H?ndigen Sie es uns einfach aus, um den Rest werden wir uns kümmern!“ – Es aush?ndigen?“, gab da der Abt nicht in fragendem Ton, sondern eher auf feststellende Weise zurück. Dennoch reagierte Arne dann wie folgt darauf:

  ?Jetzt tun Sie nicht so, als ob dies nicht von vornherein klar gewesen w?re! Meinen Gesandten haben Sie das Ding ja verweigert. Drum bin ich nun selbst hier, um meine Forderung nochmal mit Nachdruck klarzumachen. Geben Sie uns das Schmuckstück! Um den Rest kümmern wir uns.“ Der Kleriker schien etwas beleidigt von den Worten seines Gastes zu sein und entgegnete diesem: ?Welch ungehobelter Ton! Ich wünsche mir eine h?flichere Umgangsform von Ihnen, gesch?tzter Herr!“ Der Adressierte zeigte kaum Reaktion auf die Kritik des Klosterabtes. Trotz dessen holte der Glaubensmann nun eine Schatulle aus seiner schwarzen Robe hervor, legte diese vor sich auf den Tisch und ?ffnete sie, damit alle deren Inhalt betrachten konnten. Erwartungsgem?? handelte es sich dabei um das Amulett. Eine edle, goldene Fassung mit Engelmotiven fasste einen funkelnden, gro?en, blauen Edelstein ein. Als Heiko ihn erblickte, war er wie gefesselt von dem Ding. ?Das ist also das Artefakt, in welchem Melgar seine teuflischen Kr?fte, seine Magie versiegelt hat! Man kann f?rmlich spüren, wie es einen anzieht! Endlich habe ich es! Es ist direkt vor mir!“

  Der Etmane wollte schon danach greifen, da kam ihn die starke Hand des Gro?meisters zuvor, und die beiden stie?en mit ihren Fingern aneinander. ?Was macht Ihr da?“, erkundigte sich logischerweise der Oberste des Ritterordens bei dem Adeligen. Dieser retournierte anfangs z?gerlich, dann aber absichtlich bestimmt und selbstbewusst: ?Ich… ?hm…. Als Diener im Auftrag ihrer Majest?t sollte es mir zufallen das Objekt zu verwahren. Natürlich würde ich es guthei?en, wenn wir es gemeinsam nach Ordanien rücküberstellen.“ Dass er sich diese Ausrede nur so auf die Schnelle einfallen hat lassen, war offensichtlich. Und trotzdem sagte sein Gegenüber dann überraschenderweise: ?Ja, in der Tat. Nehmen Sie es erst einmal.“ Herr Dorbasz war im siebten Himmel! Es war noch viel einfacher gewesen diesen m?chtigen Gegenstand für sich zu erluchsen, als er es sich ausgemalt hatte! Die M?nche hatten keinen Widerstand geleistet, und der Markerorden hatte ihm seine Lüge, dass er von der Statthalterin geschickt worden war, einfach so abgekauft!

  Es folgte noch ein weiterer Austausch an Informationen mit den Klosterbrüdern, doch all dies war vollkommen irrelevant für Dorbasz. Er h?rte nicht mal mehr zu. Seine Gedanken kreisten immerzu nur um das Heilige Artefakt, welches er zwar in der Schatulle, aber dennoch bereits jetzt in H?nden hielt. Nicht lange sp?ter waren sie wieder zurück im Ordenshauptquartier in Nargyosch. Hier begann der Edelmann gleich voll Enthusiasmus die ersten seiner Dinge zusammenzupacken. Am liebsten w?re er schon am n?chsten Tag abgereist. Aber er wusste natürlich, dass er sich noch mit seinen Gastgebern hier absprechen musste, welche ihn ganz sicher mit einer Eskorte zurück nach Meglarsbruck begleiten würden.

  Hier in deren Verfügungsbereich wusste er, dass er diesen nicht auskam, also nicht einfach so, ohne was zu sagen, abhauen konnte. Auf dem Rückweg würde er diese schon irgendwie abschütteln. Die Gegend nach der Ge?chtetenpfann, in der er sich ja gut auskannte, schien ihm da eine gute Option zu sein. Bis dorthin würde er diese aber in seinem Nacken sitzen haben. ?Die Sache geht schon. Ich habe es ja jetzt schon so weit geschafft. Unglaublich eigentlich, wie glatt die Sache gegangen ist. Obwohl, es hat deutlich l?nger gedauert als ich angenommen hatte. Naja, egal.“

  Diese Nacht schlief er tief und fest. Morgens ging er dann hinüber in die Kammer Arne von Laberklamms, und er?rterte mit diesem die Aufstellung einer Eskorte für ihn. ?Mehr als 4 M?nner werden nicht notwendig sein. Immerhin bin ich inkognito unterwegs, und mehr Begleiter erwecken nur ungewollte Aufmerksamkeit, wenn Ihr versteht.“ Der Ordensoberste war jedoch skeptisch und widersprach ihm: ?Machen wir lieber 8 draus. Die Mission ist zu wichtig, um den Verlust des Amuletts aufgrund von Fahrl?ssigkeit meinerseits zu riskieren!“ – ?Haben Sie mein Argument nicht verstanden. Wir ziehen nur ungewollte Aufmerksamkeit auf uns!“ – Habe ich. Jedoch wiegt die Relevanz des imperialen Auftrags für mich hier schwerer als die erh?hte Auff?lligkeit in der ?ffentlichkeit.“ Somit ging die Diskussion eine Weile hin und her, bis schlie?lich Heiko sich geschlagen geben musste. Gro?meister Arne wich kein Haarbreit von seiner Position! Angeschnauzt stapfte er nun wieder die Treppe hinauf zu seinem Zimmer.

  Er trat ein, und sofort fiel ihm auf, dass etwas nicht stimmte. Auf der Kommode, wo eigentlich die kleine Schatulle liegen h?tte müssen, war nun nichts mehr! Auf der Stelle durchfuhr den Mann die Panik! ?Aber ich hatte die Tür doch zugesperrt! Wie gibt’s das denn?“ In gr??ter Hast stellte er hier drin alles auf den Kopf, doch natürlich lie? sich das Amulett nicht finden. Dann sprintete er sogleich wieder hinunter zu Arne, wobei er sogar einmal ausrutschte und fast die Stiegen hinunterfiel. Ohne anzuklopfen, stürmte er in dessen Raum, und schrie ihm sofort entgegen: ?Das Amulett ist verschwunden!“ Ruhigen Gemütes schaute der Herr in wei?en Roben von seinem Schreibtisch da auf und dem aufgewühlten Eindringling entgegen. Dann ?u?erte er: ?Ist es nicht. Meine M?nner haben es gesichert und verwahrt.“

  ?Ich………Was? Haben Sie mich etwa betrogen?“, fuhr ihn Dorbasz da v?llig au?er sich an. Arne blieb gelassen und erwiderte: ?Ich würde es nicht so nennen. Aber wenn Sie es so sehen wollen, werde ich Sie nicht davon abhalten k?nnen.“ – ?Also war unser ganzes Gespr?ch vorher nur eine Ablenkung?“ – ?Sie waren es doch, der zu mir gekommen ist, um die Angelegenheit zu besprechen!“, widersprach ihm da der Ritter. Dann erg?nzte er aber: ?Schauen Sie, Durchlauchtester Herr! Es spielt keine Rolle. Ich habe entschieden, dass Ihre Behauptung, im Auftrag ihrer Hoheit zu sein, nicht glaubwürdig ist. Darum werden wir das Heilige Artefakt behalten, und eigenst?ndig Kontakt zum Kaiserhaus aufnehmen, um die Sache zu kl?ren.“ Tausendmal verfluchte ihn der Fürst von Siern daraufhin. Der Gro?meister des Markerordens hatte ihn durchschaut! Jegliche Nachfrage bei der Statthalterin würde selbstverst?ndlich seine Lügen blo?legen. Es gab hier in diesem fremden Land, wo er nicht die Kontakte und den Einfluss hatte, die er brauchte, niemanden, der ihm das Ganze noch irgendwie hinbiegen konnte.

  Heiko war geschlagen, und kehrte wutentbrannt in seine Gem?cher zurück. Er hatte verloren. Er wusste nicht, was er hier noch unternehmen konnte. Somit würde er wohl die bittere Niederlage akzeptieren müssen, und mit leeren H?nden wieder nach Hause zurückkehren. Oder zumindest glaubte er das! Diese Nacht schlief er sehr schlecht, vor allem, da er so zornig und unruhig aufgrund seiner Düpierung war. Jedoch war dies nicht der einzige Grund. Zu finsterster Stunde vernahm er pl?tzlich ein Scheppern und Schreien von drau?en, das ihn aus seinem Schlaf riss. Kurz darauf war der L?rm auch im Geb?ude selbst angekommen! Er lief auf den Gang hinaus, und wurde Zeuge wilder K?mpfe. ?Was ist hier los?“, fragte er einen vorbeieilenden Soldaten, der blo? in Unterw?sche aber dennoch mit Schwert in H?nden dem Getümmel entgegenlief, um schleunigst auszuhelfen. ?Barbaren! Ein Angriff der Horden!“, war alles, was er im Laufen schrie, w?hrend er weiter dem Kampf entgegenlief.

  ?Was? Hier mitten in der Hauptstadt? Gibt’s das denn überhaupt?“, fragte sich der Adelige da. Anscheinend gab es das. Es dauerte nicht lange, dann waren die K?mpfe vorüber. Die kleinen Br?nde, die in dem gro?en Geb?ude ausgebrochen waren, hatte man rasch gel?scht. Offenbar war es nur ein schneller überfall gewesen. Als der Staub sich gelegt hatte, wurde ihm allerdings etwas zuteil, das ihn ironischerweise erfreut stimmte. Arne sprach aufgeregt mit dreien seiner Hauptm?nner, w?hrend im Hintergrund die Leiber einiger Toter zusammengetragen wurden. Selbst dem Gro?meister lief etwas Blut beim Arm hinunter. Dieser Szene n?herte sich nun unverhohlen Fürst Dorbasz und trat an den Mann, der ihn am Tag zuvor hinters Licht geführt hatte, heran. ?Was ist denn passiert?“, stellte er, ohne sich viel dabei zu denken, einfach die Frage. ?Lass mich einfach in Ruhe!“, fuhr ihn der Ordensoberste da an, und marschierte davon. ?Er ist jetzt nicht gut zu sprechen, Durchlauchtester Herr!“, wies ihn dann einer der Hauptm?nner hier hin. ?Die Heiden haben das Amulett gestohlen! H?chstwahrscheinlich waren sie deshalb hierhergekommen.“ Als Heiko das h?rte fing er schon fast an sich sichtlich zu freuen. ?Meine Chance ist doch noch nicht verspielt! Gott hat mir eine neue, eine M?glichkeit mein Versagen wiedergutzumachen gegeben!“ Und tats?chlich war dieses Ereignis ?u?erst ungew?hnlich. Normalerweise trauten sich die Hordenreiter niemals bis nach Nargyosch vorzudringen. Dies war ein wundersames Geschehnis, ein g?ttlicher Wink gewesen.

  Und somit war nun zu jedem der vier Amulette ein Schatzj?ger aufgebrochen. Alexander im Norden, Ulrich im Süden, Heiko im Osten und Ludovic im Westen. Welches war das Richtige? Wer würde es zuerst erlangen? Und was würde dann passieren? Fragen über Fragen, auf die nur der Fortgang der Geschichte Antwort geben kann.

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